Lager

06.11.2025 Fachbeitrag

Gefahrstofflager: Investition in die Zukunft

Das Familienunternehmen Schmitt Logistik in Bietigheim baut ein neues Lager für Batterien und Gefahrstoffe. Hintergründe und Details.

Visualisierung des neuen Gefahrstofflagers von Schmitt Logistik.

©Foto: Schmitt Logistik GmbH

Angesichts der momentan schlechten Wirtschaftslage und Stimmung verwundert es, dass doch Investitionen getätigt werden, beispielsweise in ein neues Gefahrgutlager. So startet das Familienunternehmen Schmitt Logistik im Oktober 2025 mit dem Bau eines neuen Lagers, nach einer Planungsphase von rund zwei Jahren.

„Das Kontraktlogistik-Unternehmen mit sieben Standorten wächst“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Rainer Schmitt gegenüber der Redaktion fokus GEFAHR/GUT. Dabei rücke das reine Speditionsgeschäft immer weiter in den Hintergrund. In dieser Sparte sind momentan nur 25 Mitarbeiter von insgesamt 350 beschäftigt. Der größere Mitarbeiteranteil entfällt auf das Thema Lagerlogistik für Kunden wie Daimler Truck, Mercedes-Benz, Schaeffler oder Porsche. Am Standort Mannheim lagern unter anderem Motoren, die weltweit an unterschiedliche Standorte ausgeliefert werden. Im selben Werk werden auch die Frontboxen gebaut – quasi die Steuerlogik des E-Fahrzeugs. Rund 30 Lkw-Ladungen pro Tag verlassen das Lager.

Aktuell sind 75 Fahrzeuge im Mehrschichtsystem unterwegs, täglich werden rund 400 Transporte durchgeführt. Im Jahr 2019 erhielt die Firma Schmitt den ersten E-Lkw, über die Jahre wuchs der Bestand kontinuierlich an. Ende 2025 soll der Fuhrpark rund 50 Elektro-Sattelzugmaschinen umfassen.

Anfangs wurden vor allem Transportwege im Nahverkehr mit den E-Lkw abgedeckt, mittlerweile sind auch größere Strecken problemlos machbar. Um den nötigen Ladekapazitäten Rechnung tragen zu können, wurden fast alle Schmitt-Standorte mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet. Mit Kapazitäten von 400 Kilowatt lässt sich ein E-Lkw in rund 1,5 Stunden vollständig laden, der dann über eine Reichweite von 500 km verfügt. Wirtschaftlich habe sich die Investition in die Photovoltaik für den Logistiker schon gelohnt, da man nicht auf externe, also teure Ladestrukturen, zurückgreifen muss, sondern eigene nutzen kann.

Schmitt Logistik baut seinen Bestand an Elektro-Sattelzugmaschinen weiter aus.

©Foto: Schmitt Logistik GmbH

E-Mobilität gewinnt an Fahrt

„Die E-Mobilität im Lkw-Segment nimmt also bei uns und auch generell an Fahrt auf“, weiß der geschäftsführende Gesellschafter. Auch bei Daimler Truck steigt der Anteil an E-Lkw kontinuierlich an. Wo aber künftig die E-Batterien für die Lkw lagern? Die Begutachtungen aller bisherigen Standorte mit dem Versicherer FM Global, mit Brandschutzexperten und den Vertretern der Bauämter kamen zu dem klaren Ergebnis: Aufgrund der immensen Anforderungen an ein Gefahrstofflager kommen die vorhandenen Immobilien nicht infrage, der damit verbundene Aufwand und die Umbaukosten wären schlicht zu hoch.

Die momentan schlechte konjunkturelle Lage zieht auch Firmenschließungen nach sich. Wie es der Zufall will, musste ein Maschinenbauer in unmittelbarer Nähe des Standortes in Bietigheim Konkurs anmelden, „also in direkter Nachbarschaft zu uns“, so Schmitt. Damit fiel die Entscheidung, in den nunmehr achten Standort in Form eines Gefahrstofflagers zu investieren. Das Grundstück wurde vor rund drei Jahren erworben, nun ist im Oktober der Spatenstich für das Lager erfolgt, die Fertigstellung ist für Mitte 2026 geplant.

Aus Sicht von Schmitt Logistik gab es mehrere Gründe, jetzt den Startschuss für den Bau eines Gefahrgutlagers zu geben. Denn vor rund drei Jahren waren die Baukosten aufgrund der damaligen guten Konjunktur sehr hoch. Diese haben sich mittlerweile wieder stark nach unten eingependelt. So sanken die Baukosten für das Lager um rund 20 Prozent gegenüber dem Erstangebot. Rainer Schmitt: „Diesen Zeitpunkt haben wir genutzt. Da die Planungsunterlagen bereits seit zwei Jahren in der Schublade lagen, stand einem Baustart nichts im Wege.“

Investieren in der Krise

Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch Kapazitäten für das neue Gefahrstofflager frei. Auch wenn es noch keine konkreten Anfragen für Lagerplätze gibt, ist der Unternehmer zuversichtlich, dass die E-Mobilität in den kommenden zwei bis drei Jahren stark wächst. Und sollte es in der nächsten Zeit zu einer Entspannung in der Weltpolitik kommen – beispielsweise im Ukraine- oder Gazakrieg –, dann wird die Baukonjunktur wieder anziehen, und mit ihr die Preise. Ein weiterer Grund für die Investition sind die mittlerweile wieder gesunkenen Zinsen. „Diese günstigen Voraussetzungen waren entscheidend für den Bau unseres neuen Lagers. Man muss in der Krise investieren, um in ruhigeren Zeiten eine Lösung anbieten zu können“, so Schmitt.

Das neue Gefahrstofflager in Bietigheim (Baden) wird in erster Linie für die Elektromobilität ausgelegt sein. Aber Schmitt Logistik will sich breiter aufstellen und nicht nur das Geschäftsfeld von Lithium-Ionen-Batterien abdecken, sondern auch offen sein für weitere Gefahrstoffe. Denn zur DNA eines Logistikers gehört generell, dass dessen Lagerkapazitäten und -möglichkeiten drittverwendbar sind. Bedeutet: Man fokussiert sich nicht nur auf ein Produkt beziehungsweise einen Kunden, sondern bleibt möglichst flexibel.

Die Grundstücksfläche des neuen Lagers umfasst 15.000 Quadratmeter, die Hallenfläche ungefähr die Hälfte. Die Betriebszeiten sollen rund um die Uhr gewährleistet werden.

Bautechnisch hebt Schmitt eine spezielle Folie zur Löschwasserrückhaltung hervor, die in die Bodenplatte einbetoniert und an den Wänden hochgezogen wird. Zudem wird der Hallenboden fünf Zentimeter tiefergelegt, wodurch sich eine größere Stauhöhe ergibt. Damit wird gewährleistet, dass im Falle eines Brandes Löschwasser sowie eventuell austretende flüssige Gefahrstoffe zurückgehalten werden können.

Rainer Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter des Logistikunternehmens.

©Foto: Schmitt Logistik GmbH

Nachhaltigkeit ist Trumpf

Nachhaltigkeit spielt beim Bau des Lagers eine sehr große Rolle. Die Immobilie wird der künftige Schnellladepark des Kontraktlogistikers mit einem Batteriespeicher von mindestens einem Megawatt Leistung. So lassen sich künftig auch zwei Lkw über Nacht vollständig laden. Zudem besteht die Möglichkeit, günstigen Strom an der Strombörse zu kaufen und bei Bedarf zu nutzen. „Aufgrund der Vielzahl an Lagermöglichkeiten und der modernen Energietechnik freuen wir uns sehr auf das Projekt“, erklärt Rainer Schmitt abschließend.

Thomas Maier

Drucken Empfehlen
Kommentare -
Diskutieren Sie mit
Kommentar schreiben
PROMOTION-BOX

Mehr Sicherheit für Lithium-Ionen-Akkus

Das Akku-Safe Regal bietet eine sichere Lösung für Lithium-Ionen-Akkus. Die Brandbegrenzungshaube hilft, Brände zu begrenzen und die Umgebung zu schützen.

Jetzt informieren!