Schiffshavarien: Belastungen nehmen zu
Der im Februar 2022 in Brand geratene und dann gesunkene Autofrachter "Felicity Ace", der zu dem Zeitpunkt 189 Fahrzeuge von Bentley und rund 1100 Fahrzeuge der Marken Porsche und Audi als Elektrovarianten geladen hatte.
©Foto: picture alliance / AA | Portuguese Naval Forces / HandoutHavarierte Schiffe, verlorene Fracht, immense Verspätungen, die Auswirkungen von Lockdowns und zuletzt des Ukrainekrieges haben die internationale Schifffahrt für Versicherer zu einer kostenintensiven Branche gemacht. Das bilanzierte vor kurzem die Wirtschaft- und Finanzzeitung Handelsblatt nach Gesprächen mit Rückversicherern. Aktueller Anlass für die Aussage war dabei auch der im Februar mit 4000 Autos beladene Autofrachter Felicity Ace, für die die Hannover Rück rund 14 Millionen Euro Entschädigung leisten musste.
Für die Versicherer ergäbe sich laut Handelsblatt so ein zweigeteiltes Bild. Während die Zahl der Totalverluste bei großen Schiffen im vergangenen Jahr auf 54 gefallen sei und sich damit der abnehmende Trend der vergangenen Jahre fortsetze, wüchse die Zahl der gemeldeten Schiffsunfälle auf rund 3000. Besonders unfallträchtig mit 668 Fällen sei dabei die Gegend vor den Britischen Inseln. Maschinenschäden, Kollisionen und Brände wären die Hauptursachen.
Neben dem Schaden am Schiff selbst ginge es auch um die oft teure Fracht, die entweder Schaden genommen hätte oder selbst der Auslöser für einen Unfall sei. Allein in den vergangenen fünf Jahren hätten Experten über 70 Brände gezählt. Falsche oder nicht deklarierte Ladung wie Chemikalien oder Batterien in Containern seien häufig der Grund. Etwa fünf Prozent der Container bestünden, so die Tageszeitung, aus nicht deklarierten Gefahrgütern.
Vermutet wird, dass die Tendenz zu mehr Schäden in Zukunft mit der Steigerung von verschifften Elektroautos korrelieren werde, da die Lithium-Ionen-Akkus als hochentzündlich gelten. Die Folge generell bei Schiffshavarien seien oftmals sogenannte „Havarie-Grosse“, also Verfahren, in denen die Ladungseigentümer anteilig an den Verlusten und Kosten für die Rettung des Schiffes beteiligt werden.
Dass Zahl und Höhe der Schäden und damit die Belastungen für die Versicherer weiter steigen werden, zeichne sich ab. Schon jetzt würden wegen des Booms der Schifffahrt nach den weltweiten Lockdowns Massengutfrachter, Produkttransporter oder Öltanker für den Containertransport eingesetzt, was bei den Versicherern hinsichtlich deren Stabilität, Brandbekämpfungsmöglichkeiten und Ladungssicherung kritische Fragen aufwerfen würde. (gg/dsb)
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