Schwerpunkt des Monats Januar/Februar 2019

Schienenverkehr

07.02.2019 Fachbeitrag

Lithiumbatterien: Komplexe Technik, komplexere Vorschriften

Auf der Fachkonferenz Lithiumbatterien trafen sich Gefahrgutexperten aus Logistik, Automobil-, Verpackungs- und Entsorgungswirtschaft, um sich über die aktuelle Entwicklung und Vorschriften auszutauschen. Das klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist.
Lithiumbatterien Konferenz 1200

Entlang der kompletten Transportkette inklusive Batterieentwicklungsfragen bekamen die Teilnehmer zwei Tage lang unterschiedlichste Aspekte geboten.

©Foto: Susanne Schwarzenböck

Der erste Eindruck: Wer an der 12. Fachkonferenz Lithiumbatterien der Redaktion Gefahr/gut Mitte Januar in Frankfurt teilnahm, konnte sich ein wenig zurücklehnen. Denn es gab nicht so viele rechtliche Überraschungen zu überbringen wie in den vergangenen Jahren. Und an die schiere Fülle an Vorschriften bei der Beförderung von Lithiumbatterien waren viele inzwischen gewöhnt.

Wer jetzt aber meint, dass zu diesem Thema bereits alles gesagt wurde, sei schnell eines Besseren belehrt. Die rasche Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Technik ist ja nicht nur für die Ingenieure eine Herausforderung. So sieht die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) noch erheblichen Forschungsbedarf, unter anderem zur Rauchgasanalytik oder für die Methodenentwicklung zur Untersuchung des Übergangs eines Thermal Runaways von einer Zelle in die nächste. Eine mögliche Universalverpackung für die Beförderung defekter Batterien ist auf jeden Fall noch nicht in Sicht. Die Leiterin dieses Bereichs, Anita Schmidt, versprach zumindest die baldige Veröffentlichung einer schon seit Längerem angekündigten Gefahrgutregel für Lithiumbatterien. „Darüber hinaus arbeiten wir wie das Bundesverkehrsministerium mit an einem UN-Konzept zur Klassifizierung nach Gefährlichkeit.“ Gudula Schwan, stellvertretende Gefahrgutreferatsleiterin beim BMVI, sah ein mögliches Ergebnis dazu in den Vorschriften allerdings nicht vor 2023.

Funken Lithium Test 1200

Beeindruckendes Ergebnis mit zwei 3-Volt-Lithiumbatterien, miteinander verbunden durch angeschweißte Metallgestänge, und einem Schraubenzieher.

©Foto: Susanne Schwarzenböck

Fehlende Separierung

Während das Umweltbundesamt UBA im Rahmen der Novellierung der Batterierichtlinie mit einer schlechten Datenlage vor allem bei den Fahrzeug- und Industriebatterien kämpft, mit zu unspezifischen Sammel- und Recyclingzielen und unberücksichtigter Vorbereitung zur Wiederverwendung, mahnten Reiner Weyhe, Geschäftsführer des Recyclingunternehmens Accurec, und Matthias Buchert vom Öko-Institut zu viele Verluste unter anderem durch fehlende Separierung aus dem Elektroschrott an.   Die Frage ans Publikum, ob für den Rücklauf von Lithiumbatterien hinreichend Informationen, Betriebsmittel und Personalressourcen zur Verfügung stünden, wurde nicht positiv beantwortet. Vielmehr kam der Wunsch nach Kennzeichen auf den Geräten auf, die allen Beteiligten konkrete Informationen über die jeweilige Batterie vermitteln. Björn Bischoff vom Umweltbundesamt und auch Gudula Schwan sahen für diesen Wunsch allerdings kaum eine Möglichkeit zur Realisierung.

Die Themen Lagerung und Brandschutz stellen ein weiteres Feld für bislang ausgebliebene Antworten und Patentlösungen dar, auch das wurde auf der Konferenz deutlich. So konnten Uwe Beier vom Unternehmen ZF und Professor Helmut Weiß von der Montanuniversität Leoben lediglich die bislang bekannten Grundlagen zeigen, bereichert durch konkrete Beispiele.

Für Josef Scharpenberg und Oliver Baumgart, Gefahrgutbeauftragte bei Rhenus Logistics, ist die Fachkonferenz auf jeden Fall eine wichtige Gelegenheit, um auf dem Laufenden zu bleiben: „Die Regeln beim Umgang mit Lithiumbatterien sind ständig im Wandel und die Unternehmer fragen sich oft, ob sie diese Batterien überhaupt transportieren dürfen. Diese Regeln den Mitarbeitern zu vermitteln, damit nicht unbedacht Aufträge angenommen werden, ist eine große Herausforderung“, so Scharpenberg.

Sein Kollege Oliver Baumgart ergänzt: „Wir müssen unsere Kenntnisse so vermitteln, dass es Führungskräfte und Mitarbeiter in den Betriebsstätten auch verstehen, und anschließend bewerten können, ob so ein Transportauftrag möglich ist.“

Baumgart Scharpenberg Lithiumbatterien Konferenz 1200

Oliver Baumgart und Josef Scharpenberg, beide Rhenus Logistics, sehen eine große Herausforderung darin, den Mitarbeitern alle Regeln beizubringen.

©Foto: Felix Altmann

Vorschriften oft Auslegungssache

Wie kompliziert die Vorschriften im täglichen Umgang mit Lithiumbatterien sind, weiß Prof. Norbert Müller, Gefahrgutbeauftragter bei DB Schenker. Sein Vortrag war eine Art Workshop, in dem er und Jürgen Werny vom Lithium-Batterie-Service ein Fallbeispiel aus der täglichen Versandpraxis vorstellten. Schnell wurde klar, wie komplex die Vorschriften sind. Das Problem sieht Norbert Müller beim Gesetzgeber: „Die Vorschriften werden von Leuten gemacht, die nie in der Logistik gearbeitet haben und somit die Rahmenbedingungen überhaupt nicht kennen. Der Wortlaut ist oft so gewählt, dass die Adressaten es gar nicht verstehen. Sogar die Experten hier auf der Fachkonferenz interpretieren die Vorschriften unterschiedlich.“ Logistiker hätten so kaum eine Chance, bei Transport und Lagerung alles richtig zu machen.

Batterien müssen sicherer werden

Laut Norbert Müller stellt die Lithiumbatterie immer noch ein großes Risiko für LKW, Schiffe und besonders für Flugzeuge dar. Da sieht Müller die Industrie in der Verantwortung: „Hier müssen Experten Sicherheitstests und Verpackungsvorschriften einheitlich und verständlich ausarbeiten.

Felix Altmann/Daniela Schulte-Brader 


Die nächsten Termine

  • Praxistag & Seminare Lithiumbatterien & Abfalllogistik am 17. und 18. Juni 2019 in Aue/Bad Schlema – mit Werksbesichtigung Nickelhütte-Aue. Informationen und Anmeldung unter www.gefahrgut-online.de/praxistag2019
  • Fachkonferenz Lithiumbatterien am 20. und 21. Januar 2020 und Seminare am 22. und 23. Januar 2020. Information und Anmeldung unter www.gefahrgut-online.de/libatkonferenz2020
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