Ladungssicherung: Stauen nach Maß
Li.: Kippende Fässer: Gefahr für den Spannring. / re.: Sicherung mit Deckplatte.
©Foto: Sigurd EhringerDie Ladungssicherung im Seeverkehr war schon immer ein Thema. Hier ein Auszug aus dem Schiffstagebuch der MS Tannstein: „42. Heimreise, ausgehend NY 09.01.66 ... Die Ladung wurde unter Aufsicht der Schiffsleitung von Berufsstauern gut garniert und nach Seemannsbrauch gestaut. Die Ladung wurde gelascht, verzurrt und abgesteift.“ (Quelle: Wikipedia Stückgutfrachter)
Der heute übliche Gütertransport über See erfolgt mit Containern, die immer häufiger von Unternehmen im Binnenland geordert und gestaut werden. Auf der MS Tannstein wurden diese Arbeiten von „Berufsstauern“ durchgeführt und von der Schiffsleitung beaufsichtigt. Die Praxis sieht heute leider anders aus. Im Regelfall werden die Stauarbeiten von Lagermitarbeitern oder Staplerfahrern ausgeführt, die oft über keinerlei Ausbildung verfügen und die Beaufsichtigung durch die Geschäftsleitung entfällt in den meisten Fällen ebenso. Wen wundert es, dass Probleme die Folge sind.
Die alte CTU-Packrichtlinie aus dem Jahr 1999 wurde in 2015 endlich durch den neuen CTU-Code abgelöst. Die CTU-Packrichtlinie hatte eher einen Empfehlungscharakter, während der neue CTU-Code eine verbindliche Regelung darstellt. Das hat für die Verlader weitreichende Folgen. Beim Stauen von Gütern müssen ihre spezifischen Eigenheiten unbedingt berücksichtigt werden.
Stauen von Fässern
Fässer können lose oder als Ladeeinheit gestaut werden. Fässer auf Standardpaletten haben den Nachteil, dass viele Zwischenräume entstehen, die entweder ausgefüllt oder durch aufwändige Ladeeinheiten-Sicherung kompensiert werden müssen. Das macht jedoch dann Sinn, wenn es sich um Spannring-Fässer handelt und einlagig gestaut werden soll.
Beim Rollen des Schiffes und unzureichender Ladeeinheiten-Sicherung kippen die Fässer auf der Palette an und die Spannringe verhaken sich. Beim Zurückkippen könnten Spannringe aufspringen und der Inhalt der Fässer austreten. Das muss durch geeignete Maßnahmen verhindert werden (siehe Bild oben).
Eine mögliche Variante wäre die Verwendung von beschichtetem Basic-Board. Die Fasssicken drücken sich in die Oberfläche der Palettenauflage und die Deckplatte reißt durch die Umreifungsbänder gezielt ein, wodurch die Bänder fixiert werden.
Lose Fässer können dicht gestaut und Lücken weitestgehend vermieden werden. Beim zweilagigen Stauen ist eine Zwischenlage unbedingt erforderlich. Die häufig verwendeten Span- oder OSB-Platten haben jedoch einen geringen Reibbeiwert. Auch hier wäre das Basic-Board eine gute Lösung als Zwischenlage und als Deckauflage, um die Sicherungskraft eines Staupolsters gut zu übertragen. Der Druck im Staupolster führt dazu, dass sich das Basic-Board in die Sicken drückt und dadurch Formschluss erzeugt.
Li.: Zweilagiges Stauen mit Zwischenlage. / re.: Bei IBC die zulässige Stapellast beachten.
©Foto: Sigurd EhringerStauen von IBC
IBC lassen sich am besten formschlüssig stauen und mittels Staupolster sichern. Zu beachten ist die maximal zulässige Stapellast unter Berücksichtigung der senkrechten Beschleunigung im Container mit bis zu 1,8 g. Weshalb das zweilagige Stauen, um den Transportraum zu nutzen, kritisch werden könnte. Auch der Füllgrad sollte berücksichtigt werden. Ist er zu niedrig, könnte bei extremen Rollbewegungen des Schiffes die Einfüllöffnung durch Schwallbewegungen überlastet und undicht werden. Gerade bei IBC mit Gefahrgütern müssen die einschlägigen Vorschriften des IMDG-Codes berücksichtigt werden. Bei maximalem Füllgrad können sich die Flüssigkeitsstände durch Temperaturschwankungen verändern. Dies ist abhängig von den Füllstoffen ebenfalls zu berücksichtigen.
Die Verantwortung des Verladers/Absenders beinhaltet auch die Vorbereitung der Ladeeinheiten, um das reibungslose Stauen und damit einen sicheren Transport zu gewährleisten.
Sigurd Ehringer
Ladungssicherungsexperte, Thaining
© Copyright 2026 Gefahrgut-Online
Diskutieren Sie mit