Verpackung

28.04.2026 Fachbeitrag

Industrieverpackungen: Vom Produzenten zum Systemanbieter

Welche Herausforderungen Hersteller und Recycler von Fässern und IBC derzeit meistern.

Die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) erhöht den Anpassungsdruck auf Hersteller und Recycler von Industrieverpackungen erheblich. Diese sehen darin auch Chancen.

©Foto: Mauser Packaging Solution

Die europäische und internationale Verpackungsregulatorik befindet sich im Umbruch. Mit der neuen EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), erweiterten Kennzeichnungspflichten, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und der Diskussion um digitale Produktpässe stehen Hersteller und Recycler von Gefahrgutverpackungen unter zunehmendem Anpassungsdruck. Gleichzeitig zeigt sich: Die Branche reagiert keineswegs homogen. Je nach Geschäftsmodell, Marktposition und technologischem Fokus werden Regulierungen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ein Blick auf Einschätzungen aus Industrie und Rekonditionierung zeigt, was Anbieter von Fässern und IBC derzeit bewegt.

Gelebte Praxis

Für Verpackungsanbieter wie das Unternehmen Josef Kuhlen ist das Prinzip der Kreislaufwirtschaft kein neues Schlagwort, sondern gelebter Alltag. „Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf der Rekonditionierung von Fässern und IBC“, betont Jasmin Weise, Kaufmännische Leiterin bei Josef Kuhlen. Seit Jahrzehnten würden gebrauchte Gefahrgutverpackungen wiederaufbereitet und erneut in den Nutzungskreislauf zurückgeführt.

Die Zielrichtung der PPWR – mehr Wiederverwendung und weniger Abfall – werde daher grundsätzlich begrüßt. Gleichzeitig gibt es Unmut über die praktische Umsetzung. „Die zunehmende Regulatorik ist mit Herausforderungen verbunden, insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Umsetzbarkeit und Kosten“, so Weise.

Viele Anforderungen seien aktuell noch nicht klar definiert oder einheitlich ausgelegt. Für Rekonditionierer entsteht daraus eine Unsicherheit, wie sich künftige Pflichten zu Kennzeichnung, Dokumentation oder Nachweisführung konkret ausgestalten werden.

Unterschiedliche Geschäftsmodelle

Während Rekonditionierer besonders sensibel auf unklare Vorgaben reagieren, beurteilen klassische Verpackungsanbieter die Auswirkungen teils entspannter. Thomas Jaeger, Mitglied der Geschäftsleitung bei Müller AG Verpackungen, sieht durch die PPWR und internationale Regularien keine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells: „Wir bieten bereits ein sehr breites Sortiment an Industrieverpackungen und können so standardmäßig auf Kundenbedürfnisse eingehen.“ Die regulatorischen Anforderungen seien im Unternehmen bereits seit Längerem berücksichtigt, auch im Bereich Kennzeichnung.

Müller Verpackungen reagiere flexibel auf die Anforderungen im Markt, Neuentwicklungen seien entsprechend in der Projektphase.

Neben erweiterten Kennzeichnungspflichten treiben die Entwicklungen einen grundlegenden Wandel der Geschäftsmodelle voran, so die Information des Anbieters Allpack. Unternehmen entwickelten sich zunehmend von klassischen Produzenten hin zu Systemanbietern innerhalb einer regulierten Kreislaufwirtschaft. Zentrale Herausforderung sei es, Kreislaufanforderungen praktisch umzusetzen – etwa durch Closed‑Loop‑ und Open‑Loop‑Lösungen, die Allpack bereits für Industriekunden anbietet. Gleichzeitig gewinnen neue Rekonditionierungsverfahren an Bedeutung, die in den kommenden Jahren entscheidend dazu beitragen sollen, Verpackungen länger im Nutzungskreislauf zu halten.

Digitale Kennzeichnung: Pilotprojekte und Mehrwert

Andere Anbieter gehen deutlich weiter. Annabelle Schwanke von Mauser Packaging Solutions beschreibt den Einsatz digitaler Kennzeichnungen als strategisches Element: QR-Codes ermöglichten eine eindeutige Identifikation einzelner Verpackungseinheiten und sind mit Rückverfolgbarkeitsdaten verknüpft. Der Mehrwert liege dabei nicht allein in der regulatorischen Erfüllung, sondern in effizienteren Prozessen entlang der Lieferkette.

„Mittels einfacher Scanprozesse lassen sich Daten effizient in bestehende ERP-Systeme überführen“, so Schwanke. Damit entstünden neue Transparenzgrade für Hersteller, Abfüller und Logistikdienstleister – ein Ansatz, der weit über bisherige Kennzeichnungspflichten hinausgeht.

Andere Marktteilnehmer berichten von geringer Nachfrage in diesem Bereich. Thomas Jaeger nennt als konkrete Anwendung das VPA9-Label des Chemieindustrieverbands VCI, das QR-Code-basiert umgesetzt wird. Darüber hinaus gebe es bisher kaum Anforderungen seitens der Kunden.

Digitale Überwachung: technisch möglich, wirtschaftlich selektiv

Noch differenzierter stellt sich das Bild bei digitalen Monitoring-Lösungen dar. Während viele Anbieter aktuell keinen Markt dafür sehen, beziehungsweise erste Ansätze verfolgen, setzt Mauser gezielte Akzente. Der Multitrip-Poly-IBC könne optional mit intelligenten Überwachungsfunktionen ausgestattet werden, die Temperatur, Schockereignisse, Füllstand und Position erfassen.

Diese Systeme sollen nicht nur mehr Sicherheit bieten, sondern auch die Steuerung von Mehrwegverpackungen verbessern und Wiederverwendungszyklen optimieren. Insbesondere für temperaturempfindliche oder hochwertige Gefahrgüter ergäben sich neue Möglichkeiten zur Risiko- und Schadensbewertung.

Auch Empac-Verkaufsleiter Thomas Feld weist darauf hin, dass digitale Lösungen aktuell weiterentwickelt würden: „So können die Produkte und deren Qualität automatisch 24/7 überwacht werden und alle Daten sind sofort verfügbar.“

Er wendet allerdings auch ein, dass die Messmöglichkeiten zwar technisch verfügbar gemacht werden könnten, die Nachfrage aber noch hinterherhinke. Häufig fehlten bei Kunden die notwendigen digitalen Infrastrukturen, um die Daten sinnvoll zu nutzen. Der Nutzen sei vorhanden – werde aber (noch) nicht konsequent eingefordert.

PPWR als Innovationsmotor

Während einige Unternehmen die PPWR eher als formalen Rahmen verstehen, sieht Empac darin einen potenziellen Auslöser für grundlegende Veränderungen. Bestehende Verpackungslösungen könnten mittelfristig nicht mehr allen Anforderungen genügen. Alternative Materialien, neue Verbunde und angepasste Produktionsprozesse müssten entwickelt und gleichzeitig in bestehende Entsorgungsströme integrierbar sein.

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sei dies eine erhebliche Herausforderung. Fehlende personelle Ressourcen und regulatorische Expertise erschweren die Umsetzung. Umso wichtiger seien regionale Netzwerke.

Feld verweist als Beispiel auf die Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland, ein Projekt, das mit europäischen Mitteln für regionale Entwicklung gefördert wird. In der Fokusgruppe „Kunststoff“ arbeiten Verpackungshersteller, Maschinenbauer und Entsorger gemeinsam an Lösungen. Der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird hier als Schlüssel gesehen.

Fazit: Eine Branche im Spagat

Aktuelle Herausforderungen für Hersteller und Recycler von Gefahrgutverpackungen liegen derzeit weniger in einzelnen technischen Fragestellungen als im Zusammenspiel von Regulierung, Marktanforderungen und praktischer Umsetzbarkeit.

Digitale Kennzeichnung und Monitoring werden als Zukunftsthemen erkannt – ihre Umsetzung hängt jedoch stark von Kundenakzeptanz und infrastrukturellen Voraussetzungen ab. Die PPWR zwingt zur Auseinandersetzung und könnte langfristig Innovationen beschleunigen – vorausgesetzt, die regulatorischen Anforderungen werden klar formuliert.

Daniela Schulte-Brader

Marktübersichten online

Verpackungsanbieter Metall- und Kombinations-IBC, Deckel- und Spundfässer sowie Kunststoff- und Stahlfässer als auch Bergungsverpackungen: Unsere frisch aktualisierten Übersichten listet Hersteller, Händler und Rekonditionierer dieser Verpackungen auf und zeigt, mit welchen Spezifikationen diese geliefert werden können. Downloads unter: www.fokus-gefahrgut.de/arbeitshilfen, Rubrik „Marktübersichten“ oder über das Suchwort „Verpackung“.

Drucken Empfehlen
Kommentare -
Diskutieren Sie mit
Kommentar schreiben
PROMOTION-BOX

IBC-Lösungen für Gefahrgut & Lebensmittel

Ob 300-, 600-, 800- oder 1-000-Liter IBC in Ex-Ausführung oder mit Lebensmitteleignung, WERIT bietet sichere, zugelassene Lösungen für Gefahrgut und sensible Füllgüter.

Jetzt informieren!
PROMOTION-BOX