Batteriesicherheit: Synergien nutzen
Löschsysteme unter die Lupe zu nehmen, war ein Schwerpunkt des Projekts.
©Foto: D. Schulte-Brader | TECVIA GmbHAuf der Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts SUVEREN2Use im April 2026 in Berlin diskutierten mehr als 50 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Praxis aktuelle Erkenntnisse zur Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien. Im Fokus standen praxisnahe Lösungen für den Umgang mit Batteriebränden entlang des gesamten Produktlebenszyklus – von der Produktion bis zum Recycling.
Forschung ist gut aufgestellt
Ein zentrales Signal kam dabei auch aus der Politik: Dr. Wilhelmine Kudernatsch von VDI/VDE Innovation + Technik unterstrich beim Auftakt der Veranstaltung die strategische Bedeutung der Batterietechnologie. Die eigenständige Gesellschaft fungiert als Projektträger für Bundes- und Landesministerien (z. B. BMBF, BMWK) sowie die EU-Kommission. Sie organisiert Förderprogramme und berät die Politik bei der Erarbeitung von Technologie- und Innovationsstrategien. „Warum unterstützen wir ein solches Projekt? Weil alles elektronisch wird“, erklärte sie. Batterien seien ein maßgeblicher Faktor für die Transformation, die weit über die Elektromobilität hinausreiche. Zugleich verwies sie auf globale Wettbewerbsverzerrungen: Die Wertschöpfung konzentriere sich derzeit stark in China, während europäische Hersteller unter erheblichem Druck stünden. Dennoch sei Europa insbesondere in Forschung und Entwicklung gut aufgestellt – entscheidend sei nun, dieses Wissen konsequent in industrielle Anwendungen zu überführen. Batterien seien dabei als Schlüsseltechnologie zu begreifen.
Diese Einschätzung spiegelte sich auch in den Fachvorträgen wider. Sie zeigten, wie komplex die Risiken im Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien sind und welche Fortschritte in deren Beherrschung erzielt wurden.
Ventinggase
Ein Schwerpunkt lag auf der Zusammensetzung der Ventinggase. Je nach Zellchemie können laut Untersuchungen der Bergischen Universität Wuppertal erhebliche Mengen an Wasserstoff entstehen, was zu einer erhöhten Explosionsgefahr führt. Zudem wurde gezeigt, dass Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Stoffe wie HF bereits beim Versagen einzelner Zellen deutlich überschritten werden können. Entsprechend wichtig seien geeignete Detektions-, Lüftungs- und Sicherheitskonzepte.
Auch die Analysen des Löschwassers bestätigten die hohen Risiken: Neben organischen Verbindungen wurden Fluorid, Lithium und weitere Schadstoffe in relevanten Konzentrationen nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, dass Löschwasser häufig stark belastet ist und entsprechend behandelt werden muss.
Manuel Heinelt vom Projektpartner Fogtec plädierte für umfassende Schutzkonzepte.
©Foto: D. Schulte-Brader | TECVIA Media GmbHEffizientes Kühlen
Parallel dazu präsentierten die Projektpartner umfangreiche Brand- und Löschversuche. Diese belegen, dass sich ein thermisches Durchgehen innerhalb eines Moduls nicht vollständig verhindern lässt, jedoch durch geeignete Löschsysteme die Ausbreitung verzögert werden kann.
Hochdruckwassernebel erwies sich dabei als besonders effizient, da er eine gute Kühlwirkung bei vergleichsweise geringem Wasserverbrauch bietet. Gleichzeitig bleibt die vollständige Schadensvermeidung eine Herausforderung.
Ein weiterer Fokus lag auf der Integration von Batteriesystemen in bestehende Infrastrukturen. Hier wurde deutlich, dass insbesondere Schnittstellenprobleme, fehlende Schutz- und Abschaltkonzepte sowie unzureichend dimensionierte technische Anlagen zu den größten Risikofaktoren zählen. Gleichzeitig fehlen in einigen Bereichen noch konkrete normative Vorgaben, was die Planung zusätzlich erschwert.
Die Konferenz machte insgesamt deutlich, dass die Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien nur durch ein integriertes Zusammenspiel verschiedener Disziplinen gewährleistet werden kann. Der intensive Austausch zwischen Forschung, Industrie, Behörden und Anwendern wurde von den Beteiligten als wesentlicher Erfolgsfaktor hervorgehoben.
Das Konsortium, bestehend aus mehreren Institutionen und Unternehmen, bedankte sich ausdrücklich beim VDI/VDE, das maßgeblich zum Projekterfolg beigetragen hätten.
Die erarbeiteten Ergebnisse – darunter Whitepaper, Leitfäden und Handlungsempfehlungen – sind unter https://suveren2use.de/veroeffentlichungen/ veröffentlicht.
Daniela Schulte-Brader
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