Verpackung Lithiumbatterien: Die Vielfalt wächst
Produktion und Entsorgung von Lithiumbatterien produzieren am häufigsten beschädigte Lithiumbatterien mit Zündgefahr.
©Foto: Daniela Schulte-Brader|Springer Fachmedien MünchenParallel zum stark wachsenden Markt von ganz kleinen Knopfzellen bis hin zu schwersten Hochvoltbatterien wächst die Unsicherheit, wie diese am besten zu lagern und zu befördern sind, gerade wenn sie nicht mehr ganz taufrisch sind oder sogar einige Tests haben über sich ergehen lassen und zu Entsorgungs- und Recyclingzwecken transportiert werden müssen. Die Nachfrage nach geeigneten Transportbehältern ist dementsprechend groß.
Nach zwei coronabedingt ruhigen Jahren zeigte sich nun auf den Messen im Juni dieses Jahres, auf der Interschutz, der Ifat, der Battery Show und dem Battery Experts Forum, dass viele Unternehmen die Zeit für Entwicklungen genutzt haben und sich mit jeder Menge Neuheiten präsentieren können.
Dabei waren neben spannenden Neuheiten und Ankündigungen von den bekannten Anbietern von Bauer Südlohn bis Zarges etliche neue Player zu besichtigen.
Das Material „AkkuGrain“ ermöglicht es, kritisch-defekte Lithiumbatterien in Kunststoffbehältern von Dolav zu transportieren.
©Foto: Steffen Kück|DolavDas Leichtgewicht
Die Firma Dolav, Hersteller von Paletten sowie Palettenboxen und -containern, präsentierte auf der Fachmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft IFAT eine neue, von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) UN-zugelassene Box aus HDPE für einen sicheren Transport von kritisch-defekten Lithiumbatterien.
Das Schutzmaterial in den Kunststoffboxen besteht aus dem von Dolav entwickelten und patentierten Material „AkkuGrain“. Das Unternehmen gibt an, dass AkkuGrain bei Hitzeentwicklung sowie bei Freisetzung von säurehaltigen, alkalischen oder anderen gefährlichen Stoffen im Falle eines thermischen Durchbruchs reagiere.
Wie Dolav mitteilt, entziehe das Material der Umgebung Wärme und erzeuge aus Wasser Dampf. Durch diesen Dampf sei es möglich, die Luft zu verdünnen und somit Brände und Explosionen zu verhindern. Zudem ermögliche es die Umwandlung von giftigen Zersetzungsprodukten aus Batterien und Akkumulatoren in Säuren, Laugen und stabile Stoffe. Durch die Verdünnung mit Wasserdampf wären Säuren wie Flusssäure (HF) oder Laugen wie Lithiumhydroxid (LiOH) nicht mehr zündfähig, womit Explosionen verhindert werden könnten. Da AkkuGrain die Wärme im Falle eines thermischen Durchgehens senke, liege die Außentemperatur der Box auch nach der Propagation von Batterien weit unter den geforderten 100 Grad Celsius.
Die größte Box wird mit den äußeren Maßen 1200 x 1000 x 740 mm angeboten. Neben den Boxen sind auch kleinere Versandsäcke verfügbar.
Für den Worst Case konzipiert: Der Transportbehälter LiioBox für kritisch-defekte Lithiumbatterien von mts Maschinenbau umfasst unter anderem eine Edelstahlwanne mit Granulat und neben einer patentierten Isolation in einem Doppelwandgehäuse auch eine Flammendurchschlagssicherung.
©Foto: Daniela Schulte-Brader|Springer Fachmedien MünchenEine neue Produktfamilie
Bekannt als Anbieter von Stapelsäulen und Ladungsträgern für die automatisierte Produktion in der Automobilindustrie, hat das Mengener Unternehmen Mts Maschinenbau Ladungsträger für Batterien in das Portfolio mit aufgenommen. Ihre Lösung erlaube eine Be- und Entladung der Transportgestelle per Roboter, so das Unternehmen. Zudem stellt das Unternehmen kundenindividuelle Batterieladungsträger für eine mobile innerbetriebliche Brandversorgung vor. Dieser sei ebenfalls für Roboter-Handling ausgelegt und mit einem fahrerlosen Transportsystem kompatibel.
Das Angebot umfasst neu eine komplette Produktfamilie mit Behältern für Hochvoltbatterien zur Lagerung, zur Beförderung von defekten bis hin zur Beförderung von kritisch defekten Batterien. Die „LiioBox Orange“, in drei verschiedenen Größen verfügbar, kann für den Transport von defekten Zellen, Modulen oder nicht kritischen Lithium-Ionen-Hochvoltbatterien verwendet werden. Bei der von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassenen „LiioBox red“ verhindere eine patentierte Isolation im Doppelwandgehäuse unzulässige Außenwand-Temperaturen auch bei einem Thermal Runaway, so der Hersteller. Optional sind eine Batterietemperatur-Überwachung und eine GPS-Lokalisierung integrierbar.
Mit Feuerschutzdecke: UN-zugelassener, faltbarer Behälter ThorPak des Herstellers Wi-Sales für die Beförderung von Prototypen in der Größe 2885 x 2095 x 690 Millimeter. Das Taragewicht liegt bei 275 kg, die Nutzlast bei 850 und die Auflast bei 2025 kg.
©Foto: Daniela Schulte-Brader|Springer Fachmedien MünchenFaltbarer Großladungsträger
Die Beförderung von Prototypen, also Lithiumbatterien, die noch keinen Transporttest nach UN-38.3 erfolgreich bestanden haben, sondern auf dem Weg zum Prüflabor sind, unterliegt im Gefahrgutrecht einer eigenen Verpackungsanweisung. Für große Batterien ist das die LP 905. Die entsprechenden Anforderungen sowie die für die Beförderung defekter (nicht kritischer) Lithiumbatterien erfüllt nach Mitteilung von wi-sales, Hersteller von Großladungsträgern aus Nordrhein-Westfalen, der Transportbehälter ThorPak. Auf der Messe The Battery Show Ende Juni in Stuttgart präsentierte wi-sales einen UN-zugelassenen Mehrwegbehälter für den Transport im Straßen-, Schienen- und Seeverkehr in zwei Größen, passend für die Verpackungsgruppe I, II und III.
Dank eines im Deckel integrierten Verzurrsystems und einer Mehrweginnenverpackung ist laut Hersteller ein einfaches und schnelles Be- und Entladen des Behälters möglich.
Laut Verpackungsanweisung muss die Innenverpackung zum Schutz vor gefährlicher Wärmeentwicklung vollständig durch ausreichend nicht brennbares und nicht elektrisch leitfähiges Wärmedämmmaterial umgeben sein. Dies wird durch eine großzügig ausgelegte Feuerschutzdecke erreicht.
Mit recyceltem Kunststoff
Auch der IonPak von der Firma Orbis ist ein Transportbehälter für Lithium-Ionen-Batterien und geeignet für Batteriezellen, Batteriemodule und Batterien in Ausrüstung sowie für Prototypen beziehungsweise Kleinserien. Orbis mit Sitz in Hürth, Teil der Menasha Corporation aus den Vereinigten Staaten, verspricht durch den Materialeinsatz von recyceltem Kunststoff bei der Herstellung Einsparungen von 60–70 Kilogramm CO2 pro Behälter.
Mit seinem faltbaren und stapelbaren Design eignet sich der Gefahrgutbehälter aus Kunststoff laut Orbis für Batteriezellen und Batteriemodule, die mehrlagig im Behälter transportiert werden.
Die Gefahrgutbehälter sind nach dem Entnehmen der Batterien volumenreduzierbar.
Daniela Schulte-Brader/Sylvia Pompe
Übersicht der Verpackungsanbieter
Umfangreiche und komplizierte Rechtsvorschriften zu Lithiumbatterien stellen nach wie vor hohe Ansprüche an Versender und an Lieferanten.
Auf den Versand von Lithiumbatterien spezialisierte Verpackungsanbieter haben sich über die Jahre eine wachsende Expertise angeeignet, die sie zu einem hilfreichen Ansprechpartner machen.
Das Fachinfoportal fokus GEFAHR/GUT bietet für seine Abonnenten Marktübersichten zu diversen Gefahrgutbereichen an, auch zu Anbietern und ihren Leistungen an Verpackungen für Lithiumbatterien, aufgelistet nach den verschiedenen Stadien im Lebenslauf einer Batterie. Nichtabonnenten können sich für eine Zusendung der aktuellen Übersicht bei der Redaktion melden.
Daniela Schulte-Brader
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