Lithiumbatterien: Brände wirksam löschen
Rund 70 Teilnehmer kamen zur Brandschutztagung, um sich mit dem Thema Lithiumbatterien auseinanderzusetzen.
©Foto: Daniela Schulte-BraderIm Mai dieses Jahres hat der Fachausschuss Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren Empfehlungen zur Risikoeinschätzung von Lithium-Ionen-Speichermedien herausgegeben.
„Aber die Aktualität wird keine zehn Jahre halten“, betonte Peter Bachmeier, leitender Branddirektor in der Branddirektion München und Vorsitzender des Fachausschusses. Anlässlich der Fachtagung „Risikoeinschätzung, vorbeugender Brandschutz und Brandbekämpfung von Lithium-Ionen-Speichermedien“ Mitte Oktober im MVG-Museum in München hatte umriss Bachmeier die Sorge der Feuerwehren, wie sie an den Entwicklungen dranbleiben können. „Das potenzielle Schadensausmaß ändert sich ja laufend mit den Entwicklungen und Spannbreiten von Anwendungen der Energiespeicher.“
Sich zu passenden Brandschutzkonzepten mit vielen Beteiligten auszutauschen und realistisch aufzuklären, gab den Hintergrund zu der von Wolfgang Winter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Medien und Marke, mit fachlicher Begleitung durch die Berufs- und Freiwillige Feuerwehr München ausgerichteten Tagung.
Ein Brandschutzkonzept fordert viele Mitwirkende, wie Peter Bachmeier den rund 70 Teilnehmern gegenüber aufzählte: Nachweisersteller für Anlagen, Versicherer, Forschungs- und Normungseinrichtungen, die Feuerwehr, der Gesetzgeber, Batterie- und Gerätehersteller, Nutzer der Gebäude und nicht zuletzt der Investor eines Baus. „Sie alle setzen unterschiedliche Prioritäten bei den Schutzzielen, den Gebäude- und Betriebskosten oder auch in Bezug auf Innovationsoffenheit.“ Das erschwere eine gemeinsame realistische Gefährdungsbeurteilung. Darüber hinaus fehlten noch jede Menge Daten aus Brand- und Löschversuchen. Die Hersteller haben zwar genügend dokumentierte Ergebnisse ihrer Versuche, hielten diese aber unter Verschluss.
Für weitergehende Empfehlungen seitens der Feuerwehren fehlten diesen schlicht die Fallzahlen. Brände, die nachweislich auf Lithiumbatterien zurückzuführen sind, seien bislang sehr wenige. Und beim Auslöser „technischer Defekt“ sei die Ursache „Akku“ oft nicht auszumachen. Die Zunahme kritischer Garagenbrände in Deutschland in den letzten Jahren liege übrigens nicht an den Batterien. Sie sei eher dem Umstand geschuldet, dass die Garagen oftmals nicht für neue, größere Autos ausgelegt seien, so Bachmeier.
Schreckgespenst Thermal Runaway: eine realistische Gefährdungsbeurteilung war gefragt.
©Foto: Daniela Schulte-BraderMit Wasser kühlen und löschen
„Man muss sich Gedanken über Garagen machen, aber nicht ausgehend von den Lithiumbatterien, sondern von den neuen Autos überhaupt.“ Bei Industriegebäuden sei es ähnlich. Wenn sich etwas aufgrund technologischer Entwicklungen ändere, müsse in Sachen brandlastabhängiger Bemessung der Tragfähigkeit, der Rauchableitung, der Brandabschnittsgröße sowie hinsichtlich der Energiefreisetzung und Fertigungsqualität nachgebessert werden. „Eine Konzeption für eine Großfertigung für die nächsten 30 Jahre zu erstellen, halte ich für gefährlich.“
Björn Maiworm, Brandoberrat bei der Berufsfeuerwehr München, sieht das Problem unter anderem in der ungeheuren Spannbreite unterschiedlichsten Fertigungsniveaus, aber auch in den Größenunterschieden. „Wenn ein Container für dezentrale Energiespeicherung hochgeht, ist das mit einem Smartphone nicht mehr vergleichbar. Wir müssen deshalb skalieren.“
Maiworm, der in der Normungsgruppe zur Brandbekämpfung in elektrischen Anlagen mitarbeitet, plädierte für einen gelassenen Umgang mit den Energiespeichern. „Der Brand eines E-Autos ist nicht anders als ein normaler PKW-Brand zu behandeln. Sie löschen einfach. Und wenn es länger brennt, löschen Sie einfach länger. Dem Abschleppdienst sagen Sie, dass er das abgeschleppte Fahrzeug draußen abstellen soll, nicht in der Halle.“
„Man muss Vertrauen schaffen, dass es brennen darf“, formulierte Bachmeier. Dadurch würden dann vielleicht die Batteriehersteller ihre Brandversuchsdaten veröffentlichen. Auch Dr. Kerstin Sann-Ferro vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik VDE, warb für einen realistischen Umgang. „Es gibt einen selbstverstärkenden Prozess in der Batterie, der bis zum Zellbrand führen kann, er muss aber nicht.“
Allerdings: einer beschädigten Batterie sehe man nicht an, ob oder wann oder wie heftig sie durchgeht. Dieses Fazit zog Dietmar Schelb von der Forschungsstelle für Brandschutztechnik am Karlsruher Institut für Technik (KIT). Er berichtete, dass nach einem künstlich herbeigeführten Kurzschluss einer Zelle in einer 60-Kilowatt-Batterie und dem Durchgehen einer Nachbarzelle für knapp eine Stunde die gemessene Temperatur von 300 auf circa 50 Grad Celsius abfiel – um dann auf einmal für eine weitere halbe Stunde mit Riesenflammen auf bis zu 1000 Grad Celsius zu reagieren.
Stünden solche Batterien in einem Hochregallager, und es würde dort brennen, sei man als Feuerwehr nah dran am Selbstmord, befand Bachmeier. Löschkonzepte seien, so zeigten es Brände in Logistikhallen, hier nicht mehr möglich. Aussagen gegen Blocklagerung seien für Batteriehersteller, die gegebenenfalls ihre Batterien in Metallboxen verpackt lagern und eine ausreichend bemessene Sprinkleranlage vorhalten, nicht zufriedenstellend, merkten Teilnehmer dazu an. Zumal Versuche des Versicherungsverbands VdS dieses Szenario bislang nicht abgebildet hätten.
Daniela Schulte-Brader
Fachkonferenz Lithiumbatterien: Branchentreff
Die sichere Beförderung von Lithiumbatterien und Geräten mit diesen Energiespeichern – ob neu oder gebraucht oder zur Entsorgung – unterliegt komplexen Anforderungen und vielen Einschränkungen durch den Gesetzgeber. Ebenso werden an die Lagerung und einen effektiven Brandschutz vielfältige Fragen gestellt, die nicht abschließend beantwortet sind.
Vom 21.-23. Januar 2019 werden in Frankfurt am Main Gesetzesänderungen für alle Verkehrsträger und die Abfallbeförderung vorgestellt, aber auch die Rücknahmepraxis oder 2nd life unter die Lupe genommen, Forschungen zur Alterung von Batterien, zu Batterieentwicklungen, Brandschutz und Löschversuchen der Feuerwehr präsentiert. Namhafte Referenten stellen sich der Diskussion für eine realistische Recyclingpraxis, aber auch zu einem neuen Verpackungsstandard im Luftverkehr.
Programm und Anmeldung unter www.gefahrgut-online.de/Libatkonferenz2019 (Link nicht mehr aktiv).
© Copyright 2026 Gefahrgut-Online
Diskutieren Sie mit