Lagerung

02.04.2020 Fachbeitrag

Lagerung | Storage: Learning from burning

Werden Lithiumbatterien und Geräte, die Lithiumbatterien enthalten, gelagert, sind die Unsicherheiten groß, welche Vorschriften zu beachten sind. | If lithium batteries and devices containing lithium batteries are stored, there is great uncertainty as to which regulations must be observed.
Lager Versandvorbereitung Rampe 1200
©Foto: picture alliance/imageBROKER/Joachim E. Röttgers

Lithiumbatterien geraten nicht nur während der Beförderung, sondern erfahrungsgemäß auch während der Lagerung in Brand. In den folgenden Fällen ist die Beteiligung von Lithiumbatterien, in Geräten oder nicht in Geräten, an Unfällen (Bränden) bei der Lagerung dokumentiert:

Datum Ort Unternehmen
24.11.2007 Bockum-Hövel Hella
30.05.2011 Mülsen Schmutzler
20.09.2012 Bremerhaven Redux
17.10.2012 Hoya Hartje
05.02.2014 GB-Walsall G&P Batteries
14.08.2014 Dietzenbach Redux
14.09.2014 Hilden Kimotec
20.10.2014 Bad Hersfeld Fehr
05.05.2015 Dorsten NQR
09.03.2018 Ölbronn-Dürrn RKB electronic
27.08.2018 Aachen WE3
08.04.2019 Schorndorf Akku Power
28.07.2019 Willich

ElektroBest

Die Schäden werden von den Schadenversicherern nur dann reguliert, wenn öffentlich-rechtliche oder im Vertrag vereinbarte Regelungen seitens des Versicherungsnehmers lückenlos eingehalten wurden. Deshalb sind Versicherungsnehmer sehr daran interessiert zu erfahren, was versicherungsgeberseitig von ihnen erwartet wird.

Sind Lithiumbatterien „Gefahrstoffe“?

Auf die Frage, ob Lithiumbatterien zu den Gefahrstoffen zählen, muss mit nein geantwortet werden.

Zum einen fallen Lithiumbatterien nicht in den Anwendungsbereich der CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), und zwar

  • weder formal: Lithiumbatterien sind Erzeugnisse und keine Stoffe oder Gemische: Die CLP-Verordnung (und auch die REACH-Verordnung (Sicherheitsdatenblatt!)) gilt nicht für Erzeugnisse.
  • noch materiell: Lithiumbatterien erfüllen nicht die chemisch-physikalischen, toxikologischen und ökotoxikologischen Kriterien der CLP-Verordnung: Man kann ihnen keinen H-Satz zuordnen.

Zum anderen fallen Lithiumbatterien auch nicht unter den Begriff „Gefahrstoffe“ gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Die Lagerung ist also nicht GefStoffV-gefährdungsbeurteilungspflichtig, und auch die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere die TRGS 510 „Lagerung“, sind nicht anwendbar. Ob die Lagerung von Lithiumbatterien ein „,Verwenden‘ von ,Arbeitsmitteln‘ für die Arbeit“ ist und damit gemäß Betriebssicherheits-Verordnung (BetrSichV) gefährdungsbeurteilungsbedürftig, ist zumindest umstritten.

Regelungslage bei der Lagerung

Für die Lagerung von Lithiumbatterien, die unbeschädigt und keine Abfälle sind, gab und gibt es also zur Zeit keine verbindlichen öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Diese regulatorische Lücke füllen aus nachvollziehbarem Grund die Schadenversicherer aus.

Merkblatt der deutschen Schadenversicherer

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat erstmals im Juni 2012 das Merkblatt „Lithium-Batterien“ (VdS 3103) vorgelegt. Um dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu genügen, wurden die Lithiumbatterien zunächst in drei Leistungskategorien eingeteilt:

Gewicht Batteriespannung Leistung
< 1 kg „gering“
> 1 kg < 60 V „mittel“
> 1 kg ≥ 60 V „hoch“

In der Anwendung hatte sich aber herausgestellt, dass die beiden Lagerkategorisierungskriterien Gewicht und Batteriespannung nicht mit den gefahrguttransportrechtlichen Einteilungskriterien korrespondierten und damit in der Lagerpraxis Probleme verursachten. Deshalb wurde mit der Neufassung Mai 2016 des Merkblatts VdS 3103 die Zuordnung zu den drei Leistungsstufen an die im Gefahrgutrecht übliche Einteilung angepasst.

Diese neue Einteilung und die damit verbundenen Anforderungen an die Lagerung können der Tabelle in der Rubrik Arbeitshilfen entnommen werden. Die technischen und betrieblichen Anforderungen sind gegenüber der Fassung Juni 2012 unverändert. Zur Spalte (12), Sprinkleranlage, wurden Anfang 2014 Brandversuche mit Lithiumionenbatterien „mittlerer“ Leistung durchgeführt. Es wurden

  • vier Paletten (0,80 x 1,20 m) mit je 12 Kisten aus Pappe mit je acht Akkus (30-50 ICR18650-Zellen je Batterie), also 4 x 12 x 8 = 384 Akkus im Block gelagert; das Versuchslager verfügte über eine konventionelle Deckensprinkleranlage.
  • 24 solcher Paletten im Regal gelagert; das Versuchslager verfügte über eine konventionelle Regalsprinkleranlage.

Erkenntnis: Die Sprinkleranlage kontrolliert den Brand; sie ist ein geeignetes Mittel, um den Brand einzudämmen. Auf keinen Fall verschlimmert eine Sprinkleranlage die Situation. Damit sind Angaben in Sicherheitsdatenblättern, Produktdatenblättern und so weiter wie „Wasser ist als Löschmittel nicht geeignet“ unzutreffend. Der GDV möchte das Ergebnis allerdings nicht verallgemeinern, da andere Konstellationen (andere Batteriearten wie Lithiummetallbatterien, -typen, Verpackungsmaterialien) nicht Gegenstand des Versuchs waren.

Lithiumbatterien müssen als Erzeugnisse nicht einer Wassergefährdungsklasse zugeordnet werden. Das bedeutet, dass das aus Lithiumbatteriebränden resultierende Löschwasser nicht zurückgehalten werden können muss, da die AwSV nicht anwendbar ist.

Das Merkblatt VdS 3103 gilt allerdings ausdrücklich nicht für die Lagerung beschädigter oder defekter Lithiumbatterien beziehungsweise von Geräten mit beschädigten oder defekten Lithiumbatterien. Diese sind in einem brandschutztechnisch abgetrennten Bereich, der nicht weiter spezifiziert ist, zu separieren und so schnell wie möglich zu entsorgen.

Brand Feuerwehr Lithiumbatterien Schorndorf 8_4_2019 1200

Brand am 8. April 2019 in Schorndorf.

©Foto: Picture Alliance/Ralf Roeger/dpa

Empfehlung von FM Global

Der US-amerikanische Schadenversicherer FM Global empfiehlt generell für die Lagerung von

  • Zellen: gemäß FM Global Datasheet 7-29 (brennbare Flüssigkeiten), Schema A; das bedeutet für eine Regalanlage: - Deckensprinkler - Regalsprinkler: in jeder zweiten Ebene, jeder Palettenstellplatz;
  • Elektrowerkzeug-Batteriesätzen: gemäß den Empfehlungen für in Kartons verpackte ungeschäumte Kunststoffe.

Lagerung von Abfall-Lithiumbatterien

Abfalllithiumbatterien sind im Lagerabschnitt2) II des Lagerbereichs3) von Zwischenlagern4) zu lagern5). Der Lagerabschnitt II soll nicht an den Lagerabschnitt III (für brennbare Abfälle wie Lösemittel) angrenzen.6) Für Standardlösungen kommen je nach Lagermenge in Frage:

  • Lagerbehälter
  • Sicherheitsschränke oder Container
Brand Lithiumbatterien Feuerwehr Ölbronn 1200

Brand am 9. März 2018 in Ölbronn-Dürrn

©Foto: Picture Alliance/Uwe Anspach/dpa

Sonderfall Lagerung von EAG im Handel

Das Thema „Lagerung von Elektroaltgeräten mit Lithiumbatterien beziehungsweise von Abfalllithiumbatterien“ gewinnt durch die Neufassung des Elektro-Gesetzes 2015 an Bedeutung: Seit dem 24. Juli 20167) müssen

  • stationäre Einzelhändler mit Verkaufsflächen
  • Onlinehändler mit Lager- und Versandflächen

von jeweils mehr als 400 m² für Elektro- und Elektronikgeräte Altgeräte, auch solche mit Lithiumbatterien, zurücknehmen8). Sie haben der zuständigen Behörde die eingerichteten Rücknahmestellen vor Aufnahme der Rücknahmetätigkeit anzuzeigen9). Die Nichtrücknahme ist eine Ordnungswidrigkeit10), die mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden kann.11)

Verkaufsstätten mit Verkaufsräumen mit einer Fläche von mehr als 2000 m² müssen für Abfälle besondere Räume haben, die mindestens den Abfall von zwei Tagen aufnehmen können.

Die Räume müssen feuerbeständige Wände und Decken („F90“) sowie mindestens feuerhemmende Türen („T30“) haben12). Hier gehen die Anforderungen der Verkaufsstättenverordnung über die Anforderungen aus VdS 3103 weit hinaus.

Prof. Dr. Norbert Müller
ö.b.u.v. Sachverständiger für Gefahrguttransport und -lagerung, Duisburg

Lager Regal Lithiumbatterien Kennzeichen 1200
©Foto: picture alliance/imageBROKER/Joachim E. Röttgers

Experience shows that lithium batteries do not only ignite during transport – they also do so in storage. The following table documents accidents (fires) involving lithium batteries, both installed in devices and not.

Date Place Company
24/11/2007 Bockum-Hövel Hella
30/05/2011 Mülsen Schmutzler
20/09/2012 Bremerhaven Redux
17/10/2012 Hoya Hartje
05/02/2014 GB-Walsall G&P Batteries
14/08/2014 Dietzenbach Redux
14/09/2014 Hilden Kimotec
20/10/2014 Bad Hersfeld Fehr
05/05/2015 Dorsten NQR
09/03/2018 Ölbronn-Dürrn RKB electronic
27/08/2018 Aachen WE3
08/04/2019 Schorndorf Akku Power
28/07/2019 Willich ElektroBest

German indemnity insurers only settle claims if the policyholder is in full compliance with contractual or public law provisions. This is why policyholders are very keen to find out what insurers expect of them.

Provisions concerning the storage of lithium batteries

There were, and currently are, no binding public law provisions for the storage of undamaged lithium batteries that are not considered waste. The reason for this is that lithium batteries do not fall within the scope of the CLP Regulation and that of the Ordinance on Facilities for Handling Substances that are Hazardous to Water (AwSV), and, in the case of the Technical Rules for Hazardous Substances (TRGS 510), they could at best be assigned to stored goods class (LGK) 11 (flammable solids) – however the requirements of TRGS 510 for the storage of LGK 11 goods are not particularly specific either. Indemnity insurers address this regulatory omission for obvious reasons.

German indemnity insurers’ fact sheet

The German Insurance Association (GDV) first published the fact sheet ‘Lithium Batteries’ (VdS 3103) in June 2012. In order to comply with the principle of proportionality, lithium batteries were initially divided into three categories based on capacity:

Weight Battery voltage Capacity
< 1 kg ‘low’
> 1 kg < 60 V ‘medium’
> 1 kg ≥ 60 V ‘high’

However, in practice, it turned out that the weight and battery voltage criteria did not correspond to the classification criteria pursuant to dangerous goods transport legislation, thus causing problems when it came to actual storage. For this reason, the new edition of fact sheet VdS 3103 published in May 2016 adapts the three categories based on capacity to the classification pursuant to dangerous goods legislation. This new classification and the associated storage requirements are shown in the table. The technical and operational requirements of the June 2012 version remain unchanged.

The appropriate sprinkler system (column 12) was identified following fire tests with ‘medium’ capacity lithium ion batteries carried out at the beginning of 2014. The tests involved:

  • four pallets (0.80 × 1.20 m), each laden with 12 cardboard boxes containing eight batteries each (30–50 ICR18650 cells per battery), that is, 4 × 12 × 8 = 384 batteries per p. were stored in blocks in a test warehouse that had a conventional ceiling sprinkler system.
  • 24 such pallets were stored on shelves in a test warehouse that had a conventional shelf sprinkler system.

Findings: The sprinkler system controls the fire – it is a suitable means of containing the fire. Under no circumstances does a sprinkler system aggravate the situation. Therefore, declarations on safety data sheets, product data sheets, etc. stating that ‘water is not suitable as an extinguishing agent’ are incorrect. However, the GDV refrains from generalising the result, since other factors (including other kinds and types of battery such as lithium metal batteries, as well as packaging materials) were not part of the experiment.

Lithium batteries do not need to be assigned to a water hazard class. This means that the water used to extinguish a lithium battery fire does not have to be retained, since the AwSV do not apply. However, fact sheet VdS 3103 specifically does not apply to the storage of damaged or defective lithium batteries or devices with damaged or defective lithium batteries – these must be stored in a separate fireproof area that is not specified further and disposed of as quickly as possible.

US indemnity insurer FM Global recommendation

US indemnity insurer FM Global generally recommends the following for storing:

  • cells: compliance with FM Global Data Sheet 7-29 (ignitable liquids), diagram A; that is, requirements for a shelving system include: - ceiling sprinkler - shelf sprinklers on every second level, for every pallet storage space;
  • power tool battery sets: compliance with the recommendations for non-foamed polymers packed in cartons.

Standard storage solutions

The following are taken into account depending on the quantity stored:

  • storage bins
  • safety cabinets
  • containers

Special case: Storage of waste lithium batteries

Waste lithium batteries must be stored5) in storage section2) II of the storage area3) of interim storage facilities.4) Storage section II must not be adjacent to storage section III (for flammable waste such as solvents). 6)

Special case: Storage of WEEE in retail

The issue of ‘storing old electrical appliances with lithium batteries or waste lithium batteries’ is gaining importance due to the amended German Electrical and Electronic Equipment Act (ElektroG) of 2015. As from 24 July 2016,7)

  • fixed shop retailers with sales areas and
  • online retailers with warehouse and shipping areas

of more than 400 m² each for electrical and electronic equipment, including those with lithium batteries,8) must notify the competent authority of the collection points for returned goods prior to accepting any returns.9) Failure to accept returned goods constitutes an administrative offence10) punishable with a fine of up to 100,000 Euro.11)

Sales premises with sales spaces of more than 2,000 m² must have specific rooms that can hold at least two days’ waste. The rooms must have fire-resistant walls and ceilings (F90) and at least fire-retardant doors (T30).12) Here, the requirements of the Sales Premises Ordinance (VkVO) exceed the requirements of VdS 3103.

Prof. Dr. Norbert Müller
publicly appointed and sworn (ö.b.u.v.) Expert on Dangerous Goods Transport and Storage, Duisburg


1) Vgl. http://vds.de/fileadmin/vds_publikationen/vds_3103_web.pdf
2) Vgl. Nr. 2.9 der TRGS 520
3) Vgl. Nr. 2.7 (2) Ziffer 3 der TRGS 520
4) Vgl. Nr. 2.7 der TRGS 520
5) Vgl. Nr. 6.3.4 (6) Satz 1 Ziffer 2 der TRGS 520
6) Vgl. Nr. 6.3.4 (9) der TRGS 520
7) Vgl. § 46 (7) Satz 2 des ElektroG
8) Vgl. § 17 (1) und (2) des ElektroG
9) Vgl. § 25 (3) Satz 1 des ElektroG
10) Vgl. § 45 (1) Nr. 13a des ElektroG
11) Vgl. § 45 (2) des ElektroG
12) Vgl. § 23 der VkVO.

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