Lithiumbatterien

03.11.2022 Fachbeitrag

Fahrzeugnachrüstung: Kein laues Lüftchen

Lithiumbatterien, die sich beim Transport aufgrund ihrer Vorgeschichte zerlegen können, müssen in bestimmten Behältern befördert werden. Eine weitere Anforderung betrifft die Fahrzeuge.
Lkw Laderaumtür Ventilator 1200

Für die Beförderung kritisch-defekter Lithiumbatterien wird die nötige Nachrüstung angeboten.

©Foto: Kaiserberg International Trading GmbH

„Als vor ein paar Jahren der erste Kunde damit kam, dass er Probleme mit bestimmten Lithiumbatterie-Transporten hätte, sind wir dem gleich nachgegangen.“ So beschreibt Stephan Häberle, Geschäftsführer der Spedition Häberle Logistik, den Beginn einer besonderen Zusammenarbeit mit dem Fahrzeugbauunternehmen Weller, damit seine Kunden auch weiterhin Lithiumbatterien in allen Stadien befördern können.

Ende 2018 war nicht nur das Transportvolumen für Lithiumbatterien sowie für Geräte mit Lithiumbatterien allgemein deutlich angestiegen. Es gab plötzlich eine starke Zunahme an Rückläufern und Entsorgungstransporten für kritische Batterien. Für deren vorschriftengemäßen Transport fingen die Absender an, sich mit dafür zugelassenen Transportbehältern auszustatten. Aber wie sie feststellen mussten, war es damit nicht getan.

Neues, sehr spezielles Segment

In den Festlegungen durch die Zulassungsbehörde in Deutschland, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), werden die Beförderungen an besondere Anforderungen an die Verpackungsmethode, an die Fahrer sowie an die Fahrzeuge geknüpft.

Das Verpacken ist meist Sache der Verlader. Die Gefahrgutschulungs-Anforderungen für die Fahrer waren und sind für Häberle selbst ein Klacks, denn mit 80 eigenen ziehenden Einheiten führt die Spedition aus Schwäbisch-Gmünd sehr viele Gefahrguttransporte mit entsprechend geschultem Personal durch. „Wir übernehmen für Kunden Werkverkehre, bei denen es ausschließlich um Gefahrgut- und Abfalltransporte geht.“

Für das neue wachsende Transportsegment – die Beförderung kritisch-defekter Lithiumbatterien – mussten allerdings einige Fahrzeuge aus dem Fuhrpark nachgerüstet werden, sind doch in den meisten Festlegungen eine sechsfache Luftumwälzung im Lkw/Container/Fahrzeugaufbau innerhalb einer Stunde vorgeschrieben.

Lkw Laderaum Ventilator 1200

Je nach Fahrzeugtyp garantieren bis zu vier nachgerüstete Lüfter den nötigen Luftwechsel.

©Foto: Kaiserberg International Trading GmbH

Zusatzeinbauten sind realisierbar

Drei Fahrzeuge hat das Unternehmen Weller für Häberle inzwischen umgebaut, sodass in diesen mittels zusätzlichen Elektrolüftern an Stirnwand und/oder Ladetür ein 80-facher Luftwechsel pro Stunde möglich ist.

„Je nach Fahrzeugtyp brauche ich ein bis vier Lüfter, die das Luftvolumen in­nerhalb einer Stunde ausreichend umwälzen“, erläutert der Geschäftsführer für den Fahrzeugbau, Armin Weller. „Zusätzlich ist zu beachten, dass ein Luftwechsel auch stattfinden muss, wenn der Fahrer pausiert oder der Auflieger bis zur Weiterfahrt abgesattelt ist. Dafür haben wir Zusatzbatterien eingebaut, die unabhängig Strom liefern können.“ Gesagt, getan. Nach dem erfolgreichen Umbau der Häberle-Fahrzeuge steigerte sich zugleich die Nachfrage nach diesem Know-how zur Nachrüstung derart, dass Stephan Häberle und Armin Weller für dieses neue Segment eine Partnerschaft eingegangen sind. Sie können für alle Fahrzeugtypen vom Caddy bis zum 1360er-Sattelzug individuell berechnete Nachrüstungen anbieten, um eine regelkonforme Beförderung zu ermöglichen.

Kaum war dieses Problem gelöst, stellte sich für die Kunden ein nächstes ein – und wieder ist Häberle mitgegangen. „Einerseits muss mittlerweile jeder Bau- oder Elektromarkt Rücknahme- und Entsorgungstransporte darstellen. Andererseits fahren wir derzeit für Kunden im Direktverkehr kreuz und quer durch Deutschland und europäisches Ausland und sammeln für sehr viel Geld beschädigte, kritisch-beschädigte oder neue Batterien ein“, so der Geschäftsführer.

Peter Wihan, Speditionsleiter und Prokurist der Häberle Logistik, ergänzt: „Wir sehen einen großen Bedarf, diese Transporte systemtechnisch abzuwickeln, allein schon, um die Kosten zu senken.“ Deshalb seien sie dabei, mit 20 bis 25 Stückgutlogistikpartnern ein eigenes Abfallnetzwerk aufzubauen.

„Batterieabfall-Transporte sind, besonders die grenzüberschreitenden, sehr aufwendig: Es müssen bestimmte Dokumente erstellt und mitgeführt werden, die unterschiedlichen Bestimmungen und Notifizierungsregeln in anderen Ländern umgesetzt werden, Genehmigungen eingeholt und Fahrzeuge ausgerüstet werden.“ Dieser Aufwand soll künftig zentral gesteuert werden.  

Daniela Schulte-Brader

Lkw Armatur Lüftung 1200

Damit die Lüfter auch bei Pausen arbeiten, werden Zusatzbatterien integriert.

©Foto: Kaiserberg International Trading GmbH


Anforderungen

Wer kritisch-defekte Lithiumbatterien befördert, bekommt diese vom Verlader in Transportbehältern mit einer Festlegung der zuständigen Zulassungsbehörde. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) legt darin nicht nur den möglichen Batterietyp fest, sondern beschreibt die nötige Vorbereitung vor der Beförderung, die zu verwendende Verpackungsmethode sowie die Anforderungen an Fahrzeuge (ADR), Wagen(RID) und Güterbeförderungs-Einheiten (CTUs). Auch wenn eine Verpackung beispielsweise über Gasfilterung und HF-Werte unter dem AGL-II-Wert verfügen, sind diese durch die BAM immer an ein Fahrzeug mit sechsfachem Luftwechsel gebunden.


Abfall-Netzwerk

Mit circa 25 Logistikpartnern baut das Unternehmen Häberle Logistik derzeit ein Netzwerk auf, bei dem die grenzüberschreitende Beförderung von Abfallbatterien zentral organisiert und kostenintensive Direktverkehre künftig vermieden werden sollen.

www.haeberle-logistik.de

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