Kunststoffverpackungen: Gelebte Nachhaltigkeit
Der neue IBC Polyex-Food ist für teilweise entzündbare Mischungen wie Alkoholmischungen konzipiert.
©Foto: WeritDer Bereich der Kunststoffverpackungen ist innerhalb der Gefahrgutverpackungen im Vorfeld der Interpack derjenige mit den meisten Aktivitäten. Ein alter Bekannter aus den Verpackungsspecials der vergangenen Jahre ist die Werit-Gruppe. Auch zur Weltleitmesse der Verpackungen verkündet der Unternehmensverbund einige Neuheiten. Die Gruppe präsentiert sich diesmal in ihrer Kernkompetenz als Partner des Mittelstandes. Der Fokus liegt vor allem auf Lösungen für die Lebensmittelindustrie. Zudem engagiert sich Werit für ein nachhaltiges Kreislauf- sowie Poolingsystem.
Das Standkonzept von Werit ist in vier große Bereiche aufgeteilt, von denen einer den Verpackungen mit Gefahrgütern gewidmet ist. Für diesen Bereich wurde der kleine 300 Liter Compactline konzipiert, der als Alternative zum Fass gedacht ist. Er steht auf einer eigens für ihn entwickelten Kunststoffpalette und ist UN-zertifiziert. Dem Unternehmen zufolge können Interessenten diesen kleinen IBC auch mit CDS oder neu mit Micromatic-Entnahmesystem ordern. Dies ermögliche, mit oder ohne Auslaufarmatur, dass die Verpackung für Füllgüter eingesetzt werden könne, bei denen besonderer Wert auf eine kontaktlose Befüllung und Entleerung gelegt werde.
Ganz neu in der IBC-Produktfamilie ist der Polyex-Food. Denn auch in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie werden teilweise entzündbare Mischungen, zum Beispiel Alkoholmischungen, abgefüllt. Hierfür sind IBC gefragt, die geeignet für Lebensmittel gemäß VO 10/ 2011 sind sowie die EX-Schutz-Anforderungen erfüllen. Durch eine wechselbare Ventil-Befestigung und die ableitfähige Multilayer-Struktur des Innenbehälters hat Werit nun einen IBC im Programm, der diese beiden Eigenschaften vereint.
Im Bereich der Nachhaltigkeit ist die Nachfrage nach Drehstapelbehältern des Herstellers nach wie vor hoch, wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilt. Drehstapelbehälter seien ökonomische Verpackungen, denn sie könnten im befüllten Zustand gestapelt werden. Durch ihre Konstruktion seien sie stabil. Im leeren Zustand werden sie ineinandergenestet und sparen so 65 Prozent Volumen. Paletten und Behälter sind somit für Logistikprozesse geeignet. Gerade im Handel sowie im Bereich der Pool- und Logistikdienstleistungen wird das Thema Nachhaltigkeit in ökonomischer und ökologischer Sicht zudem großgeschrieben. Für diese Marktanforderung bietet die Gruppe unter anderem IKP-Paletten im Euro- und Industriemaß an. IKP-Kunststoffpaletten mit diesen Maßen verfügen über ein geringes Eigengewicht und bieten die Möglichkeit von zusätzlichen Ausstattungsmodulen. Kunststoffpaletten hätten laut Mitteilung von Werit im Vergleich zur Holzpalette bessere Reinigungseigenschaften und eine lange Lebensdauer von bis zu zehn Jahren. Durch die glatten Oberflächen und das Material seien Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius möglich.
AST-Kanister stellt zur Interpack sein neues Rücknahmesystem Cipacks als Beitrag zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe vor.
©Foto: AST-KanisterNeues Rücknahmesystem Cipack von AST-Kanister
Neues vermeldet auch AST-Kanister. Das Unternehmen stellt seit mehr als 45 Jahren Kunststoffverpackungen für verschiedene Anwendungen und Branchen wie die Gefahrgüter her. Neben dem Kerngeschäft, der Herstellung von Fässern und Kanistern im HDPE-Bereich, wurde das Portfolio den Angaben zufolge in den letzten Jahren dahingehend erweitert, dass Flaschen, technische Artikel und Sonderartikel in HDPE, aber auch PET angeboten werden können. Vom HDPE-Fass bis zur 50-Milliliter-PET-Flasche bieten sie zahlreiche Produkte in ihrem Portfolio. Dabei war und ist das Recycling stets ein Thema mit enormer Bedeutung gewesen. Teil der Unternehmensstrategie ist nunmehr ein Recycling- und Rekonditionierungssystem für gebrauchte Gebinde. Mit dem neuen Rücknahmesystem Cipacks (Circular Packaging Solutions) wolle der Hersteller seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe leisten. Mit seinen Spezialprozessen reinige das Unternehmen gebrauchte Gebinde, sodass diese erneut verwendet werden können, und führt diese in den Markt zurück. Sollte eine Reinigung nicht möglich sein, würden die Gebinde recycelt und so aufbereitet, dass ein neuer Rohstoff für die unternehmenseigene Produktion entsteht.
Ziel ist es den Angaben nach, dass mit der neuen Rohstoffaufbereitung die Ressourcen bewahrt werden und die Umwelt entlastet wird. Die Recycling- und Rekonditionierungsanlagen seien nach eigener Aussage auf Energieeffizienz und Ressourcenschonung ausgelegt. Der Hersteller erfüllt zudem die Forderung nach ISO 50001 mit dem Ziel, energiebezogene Leistungen zu reduzieren. Gleichzeitig leiste er einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und erziele eine Wasser- und Wärmerückgewinnung. Bis zu 98 Prozent Prozesswasser werde mit den Anlagen recycelt und anschließend in den Kreislauf zurückgeführt. Ein möglichst klimaneutraler Prozess optimiert den CO2-Fußabdruck der eigenen Produkte weiter, wie AST-Kanister kommuniziert.
Neuzugänge im IBC-Sortiment von Greif
Auch Greif, Anbieter von Industrieverpackungen und damit verbundenen Dienstleistungen, zeigt auf der diesjährigen Messe mehrere nachhaltige Verpackungslösungen für Gefahrgüter. GCube IBC werden den Angaben nach für den sicheren Transport einer Vielzahl flüssiger Produkte verwendet, darunter auch Gefahrgüter und solche, die Anforderungen an die darüber hinausgehende Anwendung der IBC stellen. Der GCube IBC wird mit Kunststoffrezyklat (PCR/PIR) hergestellt, bei der jede Komponente aus Kunststoff zu mindestens 30 Prozent aus rezykliertem Material besteht. Der Behälter ist für Abfüller laut Aussagen von Greif eine nachhaltige Lösung.
Dieser IBC ermögliche Anwendern, den Kunststoffverbrauch und die CO2-Emissionen zu verringern und die Kreislaufwirtschaft mit Großverpackungen weiterzuentwickeln. Der Hersteller generiert das PCR durch sein eigenes Wiederverwendungsprogramm. Greif zerkleinert nach eigenen Angaben nicht waschbare IBC-Innenbehälter, reinigt, extrudiert und granuliert sie. Somit wird PCR gewonnen. Hierdurch werden Kunststoffabfälle nicht auf Deponien entsorgt, was in vielen Ländern immer noch erlaubt ist.
„Angesichts geplanter Vorgaben zum Recyclinganteil von Kunststoffverpackungen erwarten wir eine steigende Nachfrage nach PCR und PIR“, erklärt Robert Stabrey, Global Product Manager IBC bei Greif. „Der Schlüssel zur Steigerung der Herstellung von PCR- und PIR-Verpackungen ist […] eine beschleunigte Rücknahme samt höherer Quoten kombiniert mit […] Recyclingtechnologien. Eine verbesserte Verpackungslogistik und intelligente Systeme, wie Track & Trace, werden eine wichtige Rolle spielen. Die Besucher der Messe können mehr über diese Entwicklungen erfahren, darunter GCube Connect, das Umläufe wiederverwendeter IBC beschleunigt und die Rücknahmequoten erhöht.“
Ebenfalls zu sehen ist die GCube-Shield-Technologie, die die Vorteile eines relativ niedrigen CO2-Fußabdrucks von IBC mit einer Permeationsbarriere kombiniert. Die Diffusionsdichte des dreischichtigen Innenbehälters ermöglicht den Transport von sensiblen Füllgütern, für die normale zweischichtige IBC aus extrudiertem HDPE zu durchlässig sind. Auch Lösungsmittel mit Flammpunkten unter 61 Grad Celsius und lichtempfindliche Füllgüter können befördert werden. Zudem ist auch dieser Innenbehälter am Ende seines Lebenszyklus rezyklierbar.
Mehr über diese Lösungen wie auch den GCube Flex zum sicheren Transport empfindlicher Getränkekonzentrate erfahren Interessierte beim Besuch des Unternehmens auf der Interpack Halle 10, Stand 7. Dort können sie sich auch über Industrieverpackungen informieren, die anwendungsbereit mit hermetischen Entnahmesystemen ausgestattet sind.
Schütz stellt seine neuen Innovationen bei IBC, Stahl- und Kunststofffässern in Düsseldorf vor.
©Foto: Schütz GmbHNeue Lösungen für die Supply-Chain aus Selters
Auch Schütz präsentiert sich in Düsseldorf. Unter dem Messemotto „Containing everything that matters“ beleuchtet der Verpackungsspezialist aus Selters die aktuellen Anforderungen und Aufgabenstellungen in der Supply-Chain und stellt dafür seine neuesten Produkt- und Servicelösungen im Bereich IBC, Kunststoff- und Stahlfässer vor.
Auf der Interpack präsentiert der Hersteller eine Vielzahl an Neuentwicklungen. Im Fokus steht dabei der geschlossene Verpackungskreislauf. So können Messebesucher sich unter anderem über die Verpackungen der neuen Green-Layer-Serie informieren. In die IBC-Innenbehälter und Fasskörper dieser Produktlinie bringt Schütz mit einem Anteil von 30 Prozent naturfarbenes Recyclingmaterial ein, das im Rahmen seines Rücknahmeprogramms für entleerte Verpackungen selbst wiedergewonnen werde. Passend dazu stellt das Unternehmen weitere Produktneuheiten vor, die durch den Einsatz von Rezyklat dazu beitragen sollen, den CO2-Fußabdruck von Verpackungen weiter zu minimieren. Neben den zahlreichen Verpackungsinnovationen, die das Unternehmen als zweiten großen Schwerpunkt vorstellt, können sich Fachbesucher auch über das aktuelle Gesamtprogramm an Verpackungen informieren. So werden beispielsweise das Angebot an Kunststoff-Deckelfässern von 30 bis 220 Litern sowie alle Spundfässer und Spezialtypen gezeigt.
Großflächig integrierte LED-Technik soll Teil der multimedialen Gesamtpräsentation sein. So werden die vorgestellten Produkte und Themen auf der gesamten Fläche mit Hilfe von modernen 3D-Animationen präsentiert.
Das Unternehmen verfolgt nach eigener Aussage seit Jahrzehnten ein ganzheitliches Verpackungskonzept, das sämtliche Aspekte einbezieht. Diese Philosophie findet auch auf der diesjährigen Messe ihren Ausdruck. Denn die Anforderungen an Verpackungen als auf die Supply-Chain abgestimmte Logistik-Tools werden immer komplexer. Dies beinhaltet nicht nur die unmittelbare Produktqualität und -performance, sondern auch anwendungsbezogene Kriterien. Die Unterstützung von Prozessen und der Digitalisierung aufseiten des Kunden ist ebenfalls darin eingeschlossen. Auch die globale Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit spielen für international agierende Unternehmen eine große Rolle, wenn es um Verpackungen geht. Nicht zuletzt entscheidet die ökonomische und – in einem auch gesetzlich immer stärker geforderten Maße – die ökologische Effizienz über die eingesetzte Verpackung.
Ralph Ammann
Fachjournalist, Schwerpunkt Verpackungstechnik
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