Thema des Monats März 2019

Die Beauftragung

11.03.2019 Fachbeitrag

ICAO-DGP: Vom Antrag zur Arbeitsgruppe

Über die Verantwortlichkeiten der Spediteure, das neue Schulungskonzept CBT und den Einsatz von Drohnen diskutierte das Gefahrgutgremium der ICAO in Montreal.
Drohne Flugzeug Schild 1200

Um Regelungen für die Nutzung von Drohnen zu entwickeln, wurde die Arbeitsgruppe „Remotely Piloted Aircraft Systems (RPASP)“ gegründet.

©Foto: Blickwinkel/Picture Alliance

34 formelle Anträge standen auf der Tagesordnung des letzten Treffens des Dangerous Goods Panel (DGP) der UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Die Tagung, welche erneut von Micheline Paquette von „Transport Canada“ geleitet wurde, fand vom 1. bis 5. Oktober 2018 im kanadischen Montreal statt.

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) legte ein Dokument vor betreffend die Verantwortlichkeiten der Spediteure (Freight Forwarders). Man schlug vor, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, um dieses Thema zu diskutieren mit dem Ziel, diese Pflichten in die Technical Instructions aufzunehmen.

Auf zwei Seiten wurde ein Entwurf vorgelegt, welcher die Aufgaben der Spediteure umschreibt. Dieser umfasst die Erkennung von undeklarierten beziehungsweise falsch deklarierten Gefahrgütern, die Dokumentation (Luftfrachtbriefe AWB), die Aufbewahrung von Dokumenten, das Handling von Gefahrgütern wie auch die Information der Mitarbeitenden sowie die Schulung. Es gab einige Unterstützung für das Anliegen. Betreffend die Umsetzung waren die Meinungen geteilt. Das Sekretariat schlug vor, die Cargo Safety Sub-Group (CSSG) damit zu betrauen. Dieser Vorschlag wurde nach der Tagung auch von der ANC – Air Navigation Commission unterstützt. Auf die Resultate darf man, besonders die Spediteursorganisation Fiata, gespannt sein.

Das Thema Competency Based Training (CBT) beschäftigt bekanntlich Versender, Schulungsanbieter und natürlich auch die Behörden. Dieses neue Ausbildungskonzept soll ja zum 1.1.2021 in Kraft treten. Mit der neuen Lösung sind aber offenbar nicht alle Beteiligten glücklich. Deutschland legte deshalb ein Dokument vor, mit welchem man das Konzept vereinfachen und auch wieder etwas mehr standardisieren möchte. Man hatte dazu eine Tabelle erstellt, worin die Kompetenzen für jeden Beteiligten (Verpacker, Versender, Spediteure etc.) aufgelistet wurden.

Kein Erfolg für deutschen Antrag

Ergänzt wurde dies mit einer weiteren Tabelle, worin die Schulungsdauer für jedes einzelne Thema definiert wurde. Also zum Beispiel „Klassifizierung Klasse 3“ 5-10 Minuten oder „Operators responsibilities“ 2-5 Minuten. Viel Erfolg hatte Deutschland damit aber nicht. Dieser Vorschlag sei erstens nicht im Sinne des Competency Based Approach und zweitens sei dies vom DGP-26 beschlossen und danach vom ANC bestätigt worden. Deutschland musste sich leichte Vorwürfe anhören, dass man im Nachhinein mit Verbesserungsvorschlägen komme. Der Antrag wurde daher abgelehnt.

China stellte einen Antrag, um das Fenster für die Auffrischungsschulung (ICAO T.I. 1.4.2.3 bzw. IATA DGR 1.5.0.3) von drei auf zwei Monate zu kürzen. Dies wurde damit begründet, dass dieses Fenster bei Piloten, Crew et cetera in der Regel nur einen Monat betrage. Nach heftiger Opposition der Industrievertreter, welche die Weiterführung der bisherigen Lösung bevorzugten, da diese seit vielen Jahren in Kraft sei und sich sehr bewährt habe, zog der Vertreter Chinas den Antrag zurück.

Kirche Notre Dame de Montreal 1200

Die Tagung fand vom 1. bis 5. Oktober 2018 im kanadischen Montreal statt. Im Bild die Basilika Notre-Dame de Montréal.

©Foto: Erwin Sigrist

Ganz neue Blickwinkel

Drohnen sind ein sehr beliebtes neues „Gadget“, welches viele Leute fasziniert. Jedermann kann damit Fotos und Videos aus ganz neuen Blickwinkeln erstellen. Aber auch für Warentransporte in kleinen Mengen oder zum Beispiel die Kartographie (nebst zahllosen weiteren Anwendungen) sind sie sehr nützlich. Von den militärischen Einsatzmöglichkeiten wollen wir hier gar nicht sprechen.

Dass Drohnen aber auch missbraucht werden können, haben unter anderem die Vorfälle am Flughafen Gatwick bei London zu Beginn dieses Jahres gezeigt. Dies beweist, dass die Benutzung solcher Drohnen gesetzlich geregelt werden muss: sei es aus Sicherheitsgründen oder auch aus Gründen des Datenschutzes. Mit diesem Thema befasst sich die neue Arbeitsgruppe „Remotely Piloted Aircraft Systems (RPASP)“. Die Themen, mit welchen sich diese Gruppe befasst, sind sehr vielfältiger Natur – Gefahrguttransporte sind nur ein Aspekt davon. Zu gegebener Zeit sollen Details dazu veröffentlicht werden.

Man denkt als Rechtsunterworfener in der Regel, dass die Vorschriften für die Teilnehmenden bei den Gefahrgutgremien völlig klar sind. Dass die Meinungen aber teilweise auseinandergehen, zeigte ein Dokument des Vereinigten Königreichs auf. Die Lithium Battery Mark (IATA DGR Figure 7.1.C) enthält unter anderem eine „Telephone Number for additional Information“. Der UK-Vertreter wollte vom Panel wissen, was denn der Zweck dieser Telefonnummer sei und an wen sie sich richte, welche Informationen dort erfragt werden können und weiteres. Der Antragsteller legte dar, dass die Bestimmung unklar sei.

Jederzeit erreichbar

Ein Vertreter der Batterieindustrie stellte fest, dass seine Mitglieder in der Regel 24/7-Notfalltelefonnummern angeben, damit sie jederzeit erreichbar seien. Man wies auch darauf hin, dass diese Bestimmung von einer alten Version der SV 188 stamme. Versender wissen, dass Notfalltelefonnummern generell ein schwieriges Thema sind. Die Vorsitzende zog nach der Diskussion das Fazit, dass die Interpretationen auf Annahmen basieren. Der Vertreter des Vereinigten Königreichs versprach, bei der DGP-WG/19-Sitzung mit einem Vorschlag auf das Thema zurückzukommen. Diese Tagung findet vom 1. bis 5. April 2019 wiederum in Montreal statt.

Erwin Sigrist
Leiter des Fachbereichs „Transport gefährlicher Güter“ beim Schweizer Wirtschaftsverband scienceindustries und Delegierter von Cefic beim ICAO-DGP.


Anmerkungen des Autors

Es gibt, das soll an dieser Stelle mal erwähnt werden, einen wesentlichen Unterschied zwischen dem ICAO-Dangerous Goods Panel DGP und UN-ECOSOC, UN-ECE, OTIF bzw. IMO: im Prinzip gilt für alle Gefahrgutgremien die Regel, dass formelle Anträge 12 Wochen vor Tagungsbeginn beim Sekretariat eingereicht werden müssen.

Während dies in London, Bern und Genf bestens klappt und die Dokumente den Delegationen frühzeitig zur Verfügung stehen, spielt die ICAO immer nach eigenen Regeln. Die Dokumente sind meistens erst zwei Wochen vor der Tagung auf der entsprechenden Webseite. Vereinzelt tauchen formelle Anträge sogar erst wenige Tage vorher auf. Dies ist nicht sehr positiv für eine sorgfältige Meinungsfindung, da man sich als Industrievertreter mit den Mitgliedern abstimmen muss.

Welches Dokument hätte das Interesse der Fiata an dieser Tagung mehr wecken sollen als dasjenige des Vereinigten Königreichs betreffend die Verantwortlichkeiten der Spediteure? Seit mehreren Jahren wurde kein Fiata-Vertreter mehr auf einer Gefahrguttagung gesehen. Einzelne Vertreter der Speditionsbranche bemängeln in der Fachpresse gerne und regelmäßig neue Gefahrgut-Bestimmungen, schaffen es aber nicht, bei ihrem Verband für eine finanzielle Basis zu sorgen, damit ein kompetenter Delegierter die Fiata bei diesen Gremien vertreten kann. Dabei wäre die Teilnahme der Fiata sehr wichtig!

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