Schwerpunkt des Monats Juni 2019

Verpackungstechnik

12.06.2019 Fachbeitrag

Studium: Künftige Experten

Verpackungstechnik wird an Fachhochschulen als eigener Studiengang angeboten. Der Bedarf ist, wenn man Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaunternehmen hört, groß. Auch Gefahrgut ist ein Thema.
IBC Modell Kunststoff 1200

Verpackungstechnik wie ein doppelwandiger IBC mit speziellen Anschlüssen ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit.

©Foto: RPC Promens Deventer

Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Lebensmitteln. Zwei der sechs Fachhochschulen, an denen in Deutschland Verpackungstechnik studiert werden kann, führen im Studiengangsnamen den Begriff „Lebensmittel“ gleich mit auf, bei den anderen gehört das Thema auf alle Fälle zum Standardprogramm.

Aber an Gefahrgutbeiträgen fehlt es nicht. „Unsere Studierenden sind im Kern für den Lebensmittelbereich vorbereitet, sollten aber selbstverständlich insbesondere die angrenzenden Bereiche Pharmazie, Kosmetik und Waschmittel ebenfalls beherrschen“, erklärt Professor Matthias Weiß von der Hochschule Hannover den Studiengang Lebensmittelverpackungstechnologie. „So haben wir keinen eigenen Lehrbeauftragten für Gefahrgut, aber das Thema wird immer wieder aufgegriffen, beispielsweise bei dem Komplex ‚Schutzfunktionen‘. Den Schutz von Produkten einerseits und der Umwelt andererseits nehmen wir in unserem Bachelorstudiengang sehr ernst und uns viel Zeit dazu. Das hören bei uns auch nicht nur die Verpacker.“ Wie es beispielsweise um die Barrieren beim Metallfass, beim IBC oder bei der Holzkiste stünde, werde im Bereich Werk- und Packstoffe genau beleuchtet. Da sei der Übergang von Nichtgefahrgut zu Gefahrgut fließend. Einen Vorteil gegenüber dem Nonfood-Bereich sieht Weiß beim Thema Mikrobiologie. „Spannendes Thema, wird von der Gefahrstoffseite meines Erachtens viel zu wenig beachtet.“

DIN EN ISO 16106 gehört dazu

An der Beuth Hochschule für Technik in Berlin geht es um Verpackungstechnik mit allen Produktgruppen. Gefahrgut ist in der Bachelorstudienzeit mit einem eigenen Modul innerhalb des Komplexes „Transport/Umschlag/Lagertechnik“ fest verankert. Mario Eiben von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gibt als Lehrbeauftragter den Fünftsemestern einen intensiven Einblick in das Gefahrgutrecht mit den Bau-, Prüf- und Verwendungsvorschriften.

In den Teilbereichen wie Qualitätssicherung oder Transporttechnik baut der für das Thema zuständige Professor Stefan Junge immer wieder Gefahrgutverpackungen mit ein – ob er die Studierenden nach der regelkonformen Fallprüfung einer Feinstblechverpackung mit UN-Zulassung  fahnden lässt oder die DIN-Norm für Transportverpackungen für Gefahrgüter intensiv durchleuchtet.

Welchen Herausforderungen Verpackungen in Verbindung mit Verkehrsträgern oder Umschlagbedingungen bei der Beförderung ausgesetzt sind, und wie diese zu Einschränkungen in den Maßen oder beim Design führen können, gehört ebenfalls zum Studium.

Im Masterstudiengang spielt Gefahrgut kaum eine Rolle. Über 60 Prozent der gefragten Absolventen gehen anschließend in die Lebensmittel-, Kosmetik- oder Pharmaindustrie. Aber einige finden doch ihren Weg in Unternehmen mit Gefahrgut im Portfolio.

Daniela Schulte-Brader

Kanister Schichten Modell 1200

Kanister aus Kunststoff gibt es in allen möglichen Größen und meist so gestaltet, dass sie stapelbar sind und zusammengestellt gut bündig auf eine Europalette passen. Ein Beispiel für Innovationen mit Kunststoff selbst, die sie sowohl lebensmittel- als auch gefahrguttauglich machen, sind Kanister mit Sperrschichten und Ableitfähigkeit. Beispiel: der Multi Can des Schweizer Unternehmens Müller Plastics mit dissipativer Leitfähigkeit in der Außenschicht. Dank einer sogenannten Multilayer-Technologie mit sechs Schichten (siehe oben) eignet sich so ein Kanister für sauerstoffempfindliche Füllgüter und für Medien, die zu Permeation neigen, wie zum Beispiel unpolare Kohlenwasserstoffverbindungen. Damit lassen sich auch gesetzliche Forderungen gemäß der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 727 beziehungsweise der Norm für explosionsgefährdende Bereiche, TS IEC 60079, umsetzen.

©Foto: Müller Plastics

Verpackungslogistik

Mit „Werkstoffwissenschaften der Packstoffe“ startet im September 2019 ein Zertifikatskurs der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, in Zusammenarbeit mit dem BFSV Verpackungsinstitut Hamburg e.V. Er bildet den Auftakt für den kommenden Masterstudiengang „Technische Verpackungslogistik“.

Ausgelegt auf Fach- und Führungskräfte aus der Verpackungsindustrie, soll der Kurs zu maßgeschneiderten Verpackungslösungen befähigen. Die berufsbegleitende Weiterbildung „Werkstoffwissenschaften der Packstoffe“, die die HAW Hamburg in Kooperation mit dem Verpackungsinstitut BFSV durchführt, hat zum Ziel, den aktuellen Stand von Forschung und Technik zu vermitteln. Neben Aufbau und Einsatzmöglichkeiten der klassischen Werkstoffe wie Holz, Papier, Karton und Pappe werden in dieser praxisorientierten Weiterbildung auch moderne Werkstoffe wie Biopolymere durchgenommen. Insbesondere die Eigenschaften der Packstoffe und Packhilfsmittel für Lebensmittel- und Transportverpackungen sollen vermittelt werden.      dsb


Wie entstehen Verpackungslösungen in der Praxis?

Am Anfang stand der Kundenwunsch nach einem IBC mit hohem Sicherheitsfaktor, unter anderem beim Befüllen und Entleeren. Industriedesigner des niederländischen Unternehmens RPC Promens Deventer haben dann in zwei Jahren Entwicklungsphase einen doppelwandigen IBC mit einem geschlossenen System ohne Anschlüsse oder Auslauf unterhalb des Flüssigkeitsspiegels hergestellt sowie einen Verschluss, der auch nach dem Entkuppeln geschlossen bleibt. Der Kunde wollte zudem keine separate Auffangwanne, damit der IBC an unterschiedlichen Stationen beim Transport, im Lager und während der Benutzung gestellt werden kann. So wurde eine Auffangwanne direkt in den IBC integriert. Eine gewölbte, sehr glatte Innenwand soll dagegen verhindern, dass sich zu viele Restmengen in den Ecken sammeln.

Peter Heijink, Produktmanager bei RPC Promens Deventer und Entwickler des oben beschriebenen IBC namens Varibox FC, erläutert die Entwicklung eines solchen IBC in Phasen: „Der Kunde erzählt, auf welche Fragen er mit einer Verpackung Antworten erhalten möchte, auch in Bezug auf strategische Entwicklungen bei ihm in den nächsten Jahren, die einen Einfluss auf Verpackungsanforderungen haben könnten. Aufgabe des Herstellers ist es dann, neue Anforderungen zu erkennen und zu verstehen. Dazu zählen der Kontakt zu verschiedenen Branchen und eine ausreichende Vorschriftenkenntnis, beispielsweise des ADR oder der AwSV. In einer weiteren Phase wird das Lastenheft genau definiert. Hier wird klar, welche Kenntnisse eventuell noch aufgebaut werden müssen. Und es starten erste parallele Entwicklungen, um neue Technologien zur Reife zu bringen oder neue Funktionen zu testen, die dann später ins Produkt integriert werden. Die dritte Entwicklungsphase bildet den Kern der Entwicklung: Industriedesigner definieren das exakte Design des neuen Produkts. Mithilfe von 3D-CAD-Modellen wird geprüft, ob das neue Produkt an die gestellten Anforderungen herankommt.

Mit 3D-Druckern werden Prototypen für weitere Tests erstellt. In der Industrialisierungsphase werden dann die Produktionswerkzeuge hergestellt und ein erster echter IBC produziert. Weitere Testphasen folgen, bei denen das Produkt seine UN-Zulassung und die DIBt-Zulassung für die Lagerung gefährlicher Güter erhält. Chemische Verträglichkeitstests, Vibrationstests, Stapeldruck- und Berstdruckversuche gehören dazu. Mit den frischen Zulassungen geht es dann in eine letzte sechsmonatige Testphase. Erst dann ist das Produkt reif für die Zukunft.“            dsb

Drucken Empfehlen
Kommentare -
Diskutieren Sie mit
Kommentar schreiben
PROMOTION-BOX


Freier Zugang zum Inhalt dieser Seite dank der Unterstützung der TÜV Rheinland Akademie

Das Angebot der TÜV Rheinland Akademie bietet Ihnen viele Vorteile. Als größter Weiterbildungsanbieter in Deutschland verfügen wir über das umfassendste Schulungsangebot mit modernen Lernmethoden.

Hier informieren