Brandschutz

10.03.2025 Fachbeitrag

Nachbericht Fachkonferenz Lithiumbatterien: Intensiver Austausch‌

Die 18. Fachkonferenz Lithiumbatterien in Göttingen zeigte binnen fünf Tagen das gesamte Spektrum auf. Der Dienstag stand unter dem Fokus „Brandschutz“.

Auch in diesem Jahr war das Interesse an der Fachkonferenz Lithiumbatterien groß.

©Foto: Thomas Maier | TECVIA GmbH

Mit rund 250 Teilnehmern war die Fachkonferenz Lithiumbatterien in Göttingen wieder einmal der Dreh- und Angelpunkt rund um die Themen Transport, Lagerung, Entsorgung und Brandschutz. Die Tagung wurde von der Redaktion fokus GEFAHR/GUT veranstaltet und fand vom 27. bis 31. Januar 2025 statt.

Am zweiten Tag stand das Thema Brandschutz von Lithiumbatterien in großen Mengen im Fokus. Björn Maiworm, Abteilung Einsatzvorbereitung der Berufsfeuerwehr München, informierte über Lösungsansätze und den abwehrenden Brandschutz durch die Feuerwehren.

Die aktuellen Herausforderungen für den erfahrenen Feuerwehrmann im Rahmen der Energiewende sind die Lithium-Energiespeicher, die steigende Elektromobilität, PV- und Wasserstoffanlagen. „Ein Elektroauto aus Brandschutzgründen aus Tiefgaragen auszusperren, ist Quatsch“, so Maiworm. Dann müsste man gleich allen Autos die Einfahrt verwehren. Denn aus Sicht des Experten sind nicht die E-Autos das Problem im Falle eines Brandes, sondern die immer breiter werdenden Fahrzeuge, insbesondere die SUV. Denn bei diesen Fahrzeugen ist der Anteil an brennbaren Kunststoffen in der letzten Zeit stark gestiegen. Durch die breiteren Autos nehme die Enge zwischen den Fahrzeugen zu, wodurch sich die Brandgefahr um ein Vielfaches erhöhe. Das Problem sei nicht die Batterie. „Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Leider gibt es zu diesem Thema zu viele Fehlinformationen, es geht vor allem um Panikmache und ums Geldverdienen“, bemängelte Maiworm. Eine Löschanlage sei in Tiefgaragen nicht notwendig.

Björn Maiworm, Berufsfeuerwehr München, informierte über den abwehrenden Brandschutz durch die Feuerwehren.

©Foto: Thomas Maier | TECVIA GmbH

Ein Problem bei Lithiumbatterien besteht darin, dass es keine klare Brandverlaufskurve gibt. Das erratische Verhalten ist und bleibt unberechenbar. Maiworm: „Wir lernen täglich“, auch bei Bränden von Lithium-Ionen-Hochvoltspeichern. Ziel sei es, ein Konzept für die sichere Lagerung zu erstellen – sowohl für den vorbeugenden als auch abwehrenden Brandschutz. Aktuell gebe es weltweit zu wenig Erkenntnisse und die aktuellen Regelungen würden das offensichtliche Risiko nicht abdecken, so der Feuerwehrmann. Der Spagat bestehe darin, einen Brand entweder kontrolliert abbrennen zu lassen oder ihn zu löschen. Beide Szenarien würden bei Streitigkeiten im Nachhinein unterschiedlich bewertet, auch von Gerichten. „Es muss mehr Geld in die Ausbildung für den Umgang mit Batteriebränden gesteckt werden“, forderte der Branddirektor abschließend.

Im Anschluss ging Dr. Jan ­Regtmeier von der Firma Denios näher auf die Brandrisiken von Batteriespeichern ein. Die Batterietechnik mache angesichts der Energiewende große Fortschritte, die Politik hinke ständig hinterher seitens der Vorschriften. Auch seien sehr viele Player beteiligt. Ein gutes Beispiel sei der Brandschutzleitfaden BVES, der sich momentan in Überarbeitung befinde. In diesem Prozess seien rund 50 Institutionen/Unternehmen involviert, es bestehe viel Abstimmungsbedarf, so Regtmeier. „Der häufigste Grund für einen Batteriebrand sind Verdrahtungs- und Produktionsfehler bei Batterien, die Batterie ist unproblematisch“, so der Fachmann.

Über den Stand des Projektes SEKUR – Sichere Energiespeicherkonzepte im urbanen Raum – informierte Philine Mielisch von der Feuerwehr Dortmund. Hintergrund sei der Anstieg von PV-Anlagen und Heimspeichern in deutschen Haushalten und die damit verbundenen Gefahren für die Einsatzkräfte und Bewohner durch elektrische Überlastung sowie mechanische Beschädigung, die zu Bränden führen können. Als Folgen von Speicherschäden führte Mielisch beispielsweise Thermal Runaways und die Entstehung von Atemgiften aus.

Mielisch betonte, dass es für die Feuerwehr schwierig sei, im Falle eines Brandfalles zu erkennen, ob es sich um einen Energiespeicher handele, der das Austreten giftiger Gase und auch Explosionen möglich mache. Ziel von SEKUR sei es, ein Frühwarn-/Meldesystem zu schaffen, das den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz verbessern könne. Im Rahmen von SEKUR gebe es einerseits ein visuelles und akustisches Signal für die Bewohner, andererseits erhalte die Feuerwehr parallel Informationen über vorhandene Gase, Temperatur und Lokalisation eines Energiespeichers. Damit verbunden wäre eine vereinfachte Einsatzplanung und Minimierung von Risiken und somit eine gesteigerte Sicherheit für Einsatzkräfte und Bewohner. Übungen und Evaluation seien Mitte dieses Jahres geplant. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, hieß es.

Thomas Timke von Solarwatt räumte in seinem Folgevortrag das Gerücht aus, das Lithium-Eisenphosphat-Batterien (kurz LFP) eigensicher, unbrennbar und nicht explosionsfähig seien. Ganz im Gegenteil: LFP beinhalten brennbare Bestandteile und ausreichend Energie zum Aufheizen und Zünden, erläuterte der Batterieexperte. Ebenso sei bei LFP-Akkus ein Thermal Runaway möglich aufgrund der stärkeren Bindung des Sauerstoffs. Vor einem Thermal Runaway könne oft bereits ein Venting auftreten, also das Austreten entflammbarer Gase.

Für die Argumentation der Zellhersteller bezüglich der hohen Sicherheit von LFP gebe es keine verbindliche Bestätigung. Auch komme es vor, dass in relevanten Papieren fehlerhafte Aussagen getroffen würden. Gründe seien unter anderem zu wenige Testergebnisse mit Prüflingen beziehungsweise einzelnen Bauarten. LFP und NMC seien keine hinreichenden Klassifizierungen bezüglich Sicherheit und Lebensdauer, so das Fazit von Timke. LFP-Zellen und -Batterien pauschal wegen des Kathodenmaterials positive Eigenschaften zuzuschreiben, könne heikel sein.

„Entsorgung ist ein humanes Problem, kein Technologieproblem“, erklärte Christian Hochsteger von Elektro Recycling Austria (ERA), der einen Lösungsansatz aus Österreich vorstellte. ERA organisiert und finanziert die Sammlung und Behandlung von Elektroaltgeräten und Batterien. Bislang sei kein Brandfall in Österreich im Rahmen der Entsorgung bekannt. Dabei unterstütze ein neues Sammelgebinde für Lithium-Batterien an den Sammelstellen, nämlich ein 60-Liter-Stahlfass mit Druckentlastungsventil und Spannring.

Der Austausch von Traktionsbatterien (EV-Batterien) in zertifizierten Werkstätten verlaufe problemlos und sei gut gelöst. Aufklärungsbedarf gebe es laut Hochsteger insbesondere bei kritisch defekten Batterien. „Jede Batterie ist eine Blackbox, es sollte vorab mehr investiert werden als nachher, wenn etwas passiert ist“, so Hochsteger.

Die Anforderungen an Brandbegrenzungsdecken für den Einsatz bei Elektrofahrzeugen erläuterte Jens Erbstößer, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma. Hochvolt-Fahrzeuge müssten aus unterschiedlichen Gründen präventiv brandschutztechnisch geschützt werden, wie beispielsweise temporäres Abstellen nach einer Havarie oder eines (kritischen) Defektes oder als zusätzliche Maßnahme bei Transporten (Abschleppen). Der Wunsch nach einem Standard für Brandbegrenzungsdecken führte zur Erarbeitung einer DIN SPEC 91489 durch einen Expertenkreis. Darin enthalten sind zahlreiche Prüfkriterien, wie thermische Beständigkeit, Stabilität der Halteschlaufen und Schnittfestigkeit. Das Ziel der DIN SPEC sei ein Impuls und eine Richtschnur für eine Norm auf deutscher und europäischer Ebene. Bisher gab es 23 Sitzungen, die rund 1400 Arbeitsstunden umfassten.

Erbstößer unterstrich, dass es sich bei Brandbegrenzungsdecken nicht um ein Löschmittel handelt, sondern um eine proaktive Hilfe zur Brandbekämpfung. Die Decken eignen sich auch nicht für offene Batterien oder für solche, die bereits in Brand geraten sind, so der Firmenchef.

Zum Abschluss des zweiten Tages der Fachkonferenz berichtete Simon Schuster, Sachverständiger für Brandschutz, über die Möglichkeiten der Nachweisführung für die brandschutztechnische Bewertung von Lagern für Lithiumbatterien. Die Schwierigkeit bei diesen Batterien liege darin, dass Rauch und Venting-Gase in großen Mengen austreten können. Die Ausströmung erfolge mit hohem Druck, relativ hoher Dichte und relativ geringer Rauchgastemperatur. Möglich sei auch eine Akkumulation in „untypischen“ Bereichen, erklärte der Sachverständige. Berücksichtigung für ein Lager haben die unterschiedlichen Methoden des Brandschutzingenieurwesens gemäß DIN 18009-1 (MIndBauRL).

Lager mit Lithiumbatterien fallen unter Sonderbauten – also Bauten, die eine Fläche von 1600 Quadratmeter überschreiten sowie deren Nutzung durch Umgang oder Lagerung von Stoffen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr verbunden ist. Fachkenntnisse für die besonderen Anforderungen seien zwingend erforderlich, insbesondere zum charakteristischen Brandverhalten und hohen Gefährdungspotenzial von Lithium-Ionen-Batterien. Außerdem müssten die Anforderungen aufeinander abgestimmt sein. Pauschale Anforderungen, die erfüllt werden müssen, gebe es nicht.

In der April-Ausgabe blicken wir auf den dritten Tag der Konferenz zum Thema Logistik.

Thomas Maier

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