Metallverpackungen

02.04.2020 Fachbeitrag

Metallverpackungen: Smarte Lösungen

Die weltweite Ortung und Überwachung von Behältern gehört zu den aktuellen Schwerpunkten der Anbieter von Metallverpackungen
Datenlogger Ortung IBC 1200

Feste Verbindung: Der VIZUU-Datenlogger wird zur Datenerhebung im Deckel eines IBC verbaut.

©Foto: Schäfer Werke

Im Bereich der Metallverpackungen für Gefahrgüter gibt es im Vorfeld der Interpack und zur Messe selbst einige interessante neue Applikationen zu vermelden. Ein Beispiel ist „VIZUU“. Das Tochterunternehmen der weltweit tätigen Schäfer Werke Gruppe hat eine IoT(Internet of Things)-basierte für industrielle Großcontainer (IBC) entwickelt. Damit lässt sich die Supply Chain transparent gestalten, auch im Fall komplex strukturierter, dynamischer Lieferketten.

Damit reagiert das Unternehmen auf die immer größer werdenden Herausforderungen an Chemie und Pharmaunternehmen beim Handling von sensiblen Produkten, die es in der gesamten Supply Chain vor ungewollten äußeren Einflüssen zu schützen und damit zu überwachen gilt. Zudem sind Hygiene- und Sicherheitsstandards oftmals strikt einzuhalten. Eine nahtlose Überwachung von Gefahrgütern beziehungsweise von IBC, wie etwa deren Füllstand, Behälterdruck, Innen- und Außentemperatur, Standort und Lieferzeitpunkt, kann mitunter sogar lebensrettend sein.

Die wirtschaftliche Lösung besteht aus Datenloggern und einer Cloud-basierten Plattform für die Datenauswertung und dient zur vollautomatisierten und transparenten Prozessüberwachung und -optimierung. Das aktuelle Modell des Vizuu-Datenloggers wird aus „medical grade“-Kunststoff gefertigt und erfüllt laut Hersteller biochemische Vorgaben. Die für unterschiedliche Gefahrgutklassen benötigten Zulassungen erarbeitet das Unternehmen zusammen mit seinen Kunden.

Zur Datenerhebung wird der Datenlogger im Deckel eines Intermediate Bulk Container verbaut. Besonderer Vorteil dieser Lösung ist ihre Herstellerunabhängigkeit, das heißt, jeder Edelstahl-Container kann ein „smarter IBC“ werden, eine Beschränkung auf Behälter von Schäfer Container Systems besteht nicht. Bestehende Flotten können ebenfalls nachgerüstet werden. Die Datenlogger senden die digitalisierten Sensordaten in frei definierbaren Zeitabständen bis hin zur Echtzeit via Übertragungsstandards von 2G bis NarrowBand IoT an die cloud-basierte Vizuu-IoT-Plattform. Innerhalb eines Firmengeländes besteht die Möglichkeit, per Bluetooth an innerbetriebliche Schnittstellen zu senden. Ebenso ist eine Scan-­Lösung mittels Near Field Communication (NFC) möglich.

Unabhängig vom Standort

Die verschiedenen Übertragungstechnologien haben den Vorteil, dass die Datenlogger die digitalisierten Sensordaten unabhängig vom Standort senden können – aus den Produktionshallen, vom unterirdischen Lagerraum sowie während des Transports auf der Schiene und der Straße. Im Standardgebrauch arbeiten die Datenlogger nach Angaben des Anbieters bis zu zwei Jahre autark, mittels Induktion wird aufgeladen.

Je nach individuellem Kundenwunsch werden die Daten algorithmisch in der IoT-Cloud aufbereitet und dann über eine ERP-Schnittstelle in das System des Kunden – sei es SAP oder das System eines Drittanbieters – übermittelt. Aber auch ganz ohne ERP-System sind die Daten über die mandantenfähige Vizuu-IoT-Plattform mittels Webinterface einsehbar und nutzbar. Beispielsweise können damit Alarme für die erfassten Messwerte konfiguriert werden – ob einzelner IBC oder komplette Flotte.

Werden Gefahrgüter oder deren Zusatzstoffe mittels Vizuu überwacht, erhält der Hersteller bei Abweichung von der Prozessnorm eine Fehlermeldung. In kritischen Fällen kann also sofort eingegriffen werden. In unkritischen Situationen, etwa beim Unterschreiten eines Füllstands eines intakten IBC, ist es sogar möglich, den Bedarf beim Endkunden verlässlich zu antizipieren. Für Kunden sind die Investitionskosten den Angaben nach gering und der Serviceaufwand aufgrund eines Mietmodells vernachlässigbar. Der Vorteil besteht darin, dass die Hardware in festgelegten Zeiträumen oder nach automatischer Servicemeldung vom Anbieter ausgetauscht wird. Damit ist die dauerhafte Erfüllung der hohen Anforderungen im Gefahrgutsektor gewährleistet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Metall-IBC 1200

Flexibel: Jeder Edelstahl-Container kann ein „smarter IBC“ werden, eine Beschränkung auf IBC von Schäfer Container Systems besteht nicht

©Foto: Schäfer Werke

Für nachhaltigeren Einsatz

Einen ähnlichen Ansatz wählt auch der Dresdner Anbieter Packwise mit seiner Smart Cap. Sie richtet sich auf die vielfältigen Optimierungspotenziale in der Organisation des Einsatzes und der Wiederverwendung von Industrieverpackungen wie IBC, die in der Chemie- und Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen. Es handelt es sich um ein Plug&Play-Gerät, das einen digitalen Zwilling von Flüssigkeitscontainern erstellt, der in Echtzeit präzise Sensordaten zu Standort, Füllstand, Bewegung und Temperatur anzeigt.

Es besteht aus den beiden Komponenten Smart Cap und der Plattform Packwise Flow. Die Kommunikation zwischen beiden erfolgt über das Mobilfunknetz. Dadurch wird eine globale Abdeckung gewährleistet, ohne dass Empfänger installiert werden müssen. Das Gerät nimmt regelmäßig Daten zu „seinem“ Container auf und sendet diese an die Cloud. Dort entsteht dann ein digitaler Zwilling des Behälters. Anschließend wird dieser auf der Plattform visualisiert und analysiert. Bei Abweichungen von Parametern und Handlungsbedarf, zum Beispiel bei der automatischen Nachbestellung, werden die Nutzer dann automatisch informiert.

Jeder IBC wird dabei mit einer Smart Cap ausgestattet. In deren Inneren stecken verschiedene Sensoren zur Bestimmung der Containerdaten. Dazu gehört eine neue Sensortechnologie für präzise und kontaktlose Füllstandsmessung, die auf einer Abstandsmessung zwischen dem Sensor und dem Flüssigkeitspegel basiert. Hinzu kommen ein Temperatursensor sowie Lage- und Beschleunigungssensoren.

Die genaue Positionierung der Cap auf dem Container variiert je nach Containertyp. Bei den Kombinations-IBC und auch bei Kunststoffvarianten wird sie oben auf die Oberfläche aufgeklebt. Dadurch wird die UN-Zulassung nicht gefährdet, da das Aufkleben keine Bauartveränderung bedeutet. Über eine Trägerplatte kann sie wieder abgenommen und dann auf einem neuen Container angebracht werden. Bei den langlebigeren Edelstahl-Containern wird die Smart Cap auf einem Verschluss aufgeklebt. Der verwendete Industriekleber erreicht laut Hersteller ein ähnliches Resultat wie beispielsweise beim Schweißen.

Die Verwendung kann beliebig oft erfolgen. Bei einem Sendeintervall von einer Übermittlung pro Tag garantiert der Hersteller eine Batterielaufzeit von fünf Jahren. Die Vorteile für den Kunden liegen vor allem in den erweiterten Möglichkeiten der Produktionsplanung und der Gestaltung von Geschäftsmodellen. Die Smart Cap hilft Unternehmen, ihre Kunden serviceorientierter zu bedienen. Zudem erlaubt die Optimierung der logistischen Prozesse einen nachhaltigeren Einsatz der ­Container.

Datenlogger Smartcap 1200

Wiederverwendbar: Die neue Smart Cap wird je nach Container-Typ auf jeweils andere Stellen der Container aufgeklebt, kann jederzeit abgelöst und bei einem anderen Container genutzt werden.

©Foto: Packwise

Schütz baut Australien-Geschäft aus

Eine interessante Neuigkeit hat nicht zuletzt auch die Firma Schütz in Selters zu vermelden. Das Unternehmen, das unter anderem IBC und Fässer für gefährliche Güter herstellt, hat Mitte November des vergangenen Jahres den neuen Standort von Schütz Australia in Yatala im Süden Brisbanes offiziell eröffnet. Logistisch ideal angebunden, verfügt das neue Firmenareal auf 19.000 Quadratmetern über State-of-the-art-Anlagen für die Produktion neuer IBC, eine IBC- und Fass-Rekonditionierung sowie leistungsstarke Lager- und Logistikeinrichtungen. Mit der Investition in das neue Werk will Schütz die Versorgung der Kunden im Osten des Kontinents optimieren.

Neben der Rekonditionierung von IBC werden auch gebrauchte G2-Fässer mit einem Volumen von 110 Litern für den agrarchemischen Einsatz nach Yatala zurückgeführt und wiederaufbereitet. Als neuer Fertigungshub an der Ostküste versorgt das Werk Kunden in Queensland und New South Wales mit nachhaltigen Verpackungen und Services. Auch in Australien ist der Schütz Ticket Service etabliert. Im Rahmen dieses Systems werden zurückgeholte, leere Schütz Ecobulk-IBC unter fortschrittlichen Bedingungen und der Einhaltung weltweit einheitlicher Prozessstandards wiederaufbereitet. Füllgutberührende Teile wie Innenbehälter, Armaturen oder Schraubkappen werden gegen fabrikneue Komponenten ausgetauscht. Als Ergebnis entsteht ein Recobulk-Behälter, der in Sicherheit sowie Qualität nach Herstellerangaben einem Ecobulk mit gleicher Standardspezifikation entspricht und im Vergleich zum neuen IBC bei der Herstellung circa 100 Kilogramm CO2-Emissionen einspart.

Darüber hinaus hat Schütz France mit einem neuen Hallenkomplex den zweiten französischen Standort in St.-Étienne erweitert. Nach einer umfassenden Modernisierung wurde die neue Halle kürzlich in Betrieb genommen. Im Zuge dieser Expansion erhält der Standort auch eine neue zusätzliche, hochmoderne Drei-Schicht-Extrusions-Blasanlage für IBC-Innenbehälter. In St.-Étienne verfügt das Unternehmen damit derzeit über eine Gesamtfläche von 20.000 Quadratmetern unter Dach.

Ralph Ammann
Fachjournalist, Schwerpunkt Verpackung

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