Schweizer Gefahrguttag 2026
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen das ADR 2027, die Revision der Schweizer SDR sowie die neuen Anforderungen für asbesthaltige Materialien. für mehr bitte anmelden
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Wer in unserem Fachgebiet unterwegs ist, kennt solche Fragen: Welche Verpackungsgruppe gilt? Welche Sondervorschrift ist anzuwenden? Oder: Welche UN-Nummer hat ein bestimmter Stoff oder ein Gemisch?
Oft wirken diese Fragen akademisch. Etwas für Gefahrgutbeauftragte, Sachverständige oder Behörden. Doch manchmal entscheidet die Antwort nicht nur über die richtige Beförderung, sondern über Sicherheit, Anlagenschutz und Menschenleben.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Explosion eines Abfalltanks in Leverkusen am 27. Juli 2021. Sieben Menschen verloren damals ihr Leben, 31 weitere wurden verletzt. Dem Unglück vorausgegangen war die Beförderung eines Abfallgemischs aus Dänemark. Der Absender hatte die Sendung als „UN 2920 ABFALL ÄTZENDER FLÜSSIGER STOFF, ENTZÜNDBAR, N.A.G.“ eingestuft. Nach dem Umfüllen in einen ortsfesten Tank explodierte dieser. Spätere Untersuchungen ergaben eine gefahrgutrechtliche Einstufung als selbstzersetzlicher Stoff der Klasse 4.1, nämlich unter UN 3229 oder sogar UN 3239 mit Temperaturkontrolle.
Der Fall zeigt die enorme Tragweite einer korrekten Charakterisierung von Stoffen und Gemischen. Denn eine falsche Einstufung bleibt nicht auf das Beförderungspapier beschränkt. Sie beeinflusst die Wahl der Verpackung, des Tanks, die Temperaturführung, die Lagerung, die Annahmeprüfung und letztlich die Schutzmaßnahmen entlang der gesamten Logistikkette.
Am 20. Juli 2026 wurden die Ermittlungen gegen das Entsorgungsunternehmen eingestellt. Die Verfahren gegen den dänischen Abfallerzeuger und den beteiligten Abfallmakler dauern dagegen an. Unabhängig von den juristischen Bewertungen bleibt die Erkenntnis bestehen: Die Qualität der Stoffinformation und die kritische Prüfung von Abfällen und Gefahrstoffen sind keine Formalitäten.
Daniela Schulte-Brader
Leitende Redakteurin, fokus GEFAHR/GUT