Kunststoffverpackungen

02.09.2021 Fachbeitrag

Kunststoffverpackungen: Unter Druck, aber mit viel Potenzial

Die Hersteller von Verpackungen aus Kunststoff versuchen, ihre ­Produkte durch Recycling und Materialreduzierung nachhaltiger zu machen.
IBC Werit 1200

Erfolgsgeschichte: Der CompactLine IBC mit 300 l Fassungsvermögen von Werit kommt unter anderem für Chlordioxidprodukte zum Einsatz.

©Foto: Werit

Kunststoffverpackungen für Gefahrgüter stehen aktuell wohl am meisten von allen Verpackungsarten im Fokus. Vor allem Umweltaspekte wie angeblich schlechte CO2-Bilanzen und mangelhafte Recyclingmöglichkeiten für Verpackungen aus Kunststoffkombinationen sorgen für Druck auf die Sparte. Dennoch gibt es zur FachPack einige Neuigkeiten zu verzeichnen. Die Reduzierung des Materialverbrauchs ist dabei ebenso ein Faktor wie die Verwendung neuer Herstellungsverfahren.

Alternative zur Fassware

Neues gibt es dabei vom bekannten IBC-Sortiment „Compactline“ von Werit zu vermelden. Die ersten Vertreter brachte der Hersteller im Sommer 2017 auf den Markt. Der kleine IBC mit einem Fassungsvermögen von 300 Litern wurde seitdem stetig weiterentwickelt, steht heute auf einer eigens für ihn entwickelten und robusten Kunststoffpalette, ist UN-zertifiziert, für Lebensmittel zugelassen und gewinnt mehr und mehr Marktanteile.

Seit zwei Jahren bezieht die Firma Dr. Küke aus Wedemark in der Region Hannover den 300-Liter-Container. „Der IBC stellt für uns eine Spitzenalternative zur Fassware dar“, so Geschäftsführer Boris Hinz. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Chlordioxidlösungen und steht für innovative Entwicklungen im Bereich der nachhaltigen Wasserdesinfektion. Stets neue Wege zu gehen, ist ein Anspruch, der seit Gründung zur Firmenphilosophie gehören. Die Firma Dr. Küke vertreibt ihre DK-DOX-Chlordioxidprodukte europaweit und hat in Schweden sowie in Frankreich, Italien und der Schweiz Niederlassungen.

Chlordioxid unterliegt einer begrenzten Haltbarkeit. Aus diesem Grund ist eine möglichst exakte Anpassung der Gebindegrößen an die Bedarfe der Kunden wichtig. Der Compactline ist kompakt und kann gegenüber dem Fass mit üblichen Hubwagen und Gabelstaplern bewegt werden. Eine einfache Befüllung über die Deckelöffnung sowie die Entnahme über das wiederverschließbare Auslaufventil machen die Variante zu einer funktionalen Verpackung, die auch noch hervorragend restentleerbar ist.

Vorteile bei der Ladungssicherung

Zusätzlich bietet der kleine IBC wesentliche Vorteile in der Ladungssicherung beim Transport gegenüber der Fassware und ist für den Transport von Gefahrgütern zugelassen. „Der 300-Liter-Compactline ermöglicht eine sinnvolle Ergänzung unseres Lieferportfolios. Neben den Vorteilen dieses Gebindes schätzen wir außerdem die Zuverlässigkeit in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern“, betont Boris Hinz.

Diese Variante ist zudem ein Mehrwegsystem und die Container können wiederverwendet werden. Über das Packone-Ticket können die gebrauchten IBC durch einen regionalen Rekonditionierer kostenlos abgeholt werden. Außerdem bietet das Unternehmen zwei Loop-Systeme, bei denen entweder nach Reinigung und Rebottling dieselben Verpackungen wieder zurückgeschickt (Closed Loop) oder neue Werit-IBC zu reduzierten Preisen (Open Loop) angeliefert werden.

Spezialbeschichtete Flaschen aus Spanien

Eine weitere interessante neue Anwendung einer Kunststoff-Gefahrgutverpackung kommt aus Spanien. Das Unternehmen Alcion Packaging Solutions mit Sitz in Valencia produziert UN-zertifizierte HDPE-Flaschen für Pestizide und Insektizide, die in unterschiedlichen Verfahren mit Barriereschichten versehen werden. So besitzen die Flaschen mit einem Fassungsvermögen von fünf und zehn Litern eine besondere Oberflächenbeschichtung. Die Entwicklung dieser Behälter erfolgte in einer Kooperation mit dem belgischen Unternehmen Delta Engineering und der deutschen Kautex-Gruppe. Letztere lieferte die Produktionsanlage, eine vollelektrische Doppelstationen-Extrusionsblasformmaschine vom Typ KBB400D, mit hoher Ausstoßleistung und der notwendigen technischen Präzision für die Herstellung von anspruchsvollen Gefahrgutbehältern.

Delta stellt das auf der Anlage genutzte Oberflächenbehandlungsverfahren bereit. Bei diesem handelt es sich um die Plasmafluorierungstechnologie, die von Delta Engineering entwickelt wurde. Die Entwicklung des Verfahrens war ein langer Prozess, der 2006 begann und in ständiger Zusammenarbeit mit dem Kunden durchgeführt wurde. Bei diesem Prozess kommt im Gegensatz zu anderen Verfahren kein freies Fluor, das sehr schädigend für die Umwelt ist, zum Einsatz. Stattdessen wird das deutlich harmlosere Kältemittel R1234YF verwendet. Dieses zerfällt im Laufe des Prozesses in Radikale, die sich direkt mit der Oberfläche der Flaschen verbinden. Dadurch entstehen keinerlei per- und polyfluorierte Chemikalien, die eine starke Gefährdung der Umwelt darstellen.

Ein wichtiger Vorteil für die Anwender ist die Tatsache, dass das Verfahren eine Reduzierung der benötigten Kunststoffschichten der Flaschen von vier auf drei erlaubt, ohne dass ihre Schutzfunktion beeinträchtigt wird. Es kommt also zu einem reduzierten Materialverbrauch. Außerdem handelt es sich bei der Verpackung um ein Monomaterial, wodurch das Recycling erleichtert wird.

Schutzschicht gegen Migration von Stoffen

Darüber hinaus bewirkt das Verfahren auch die Bildung einer Schutzschicht gegen Migration aus der Verpackung. Bei dieser wird nach Angaben des Unternehmens sowohl der Kunststoff vor dem Produkt in der Verpackung als auch das Produkt vor möglichen Migrationen aus dem Kunststoff geschützt. Auch Temperatur- oder Druckänderungen können so aufgefangen und unschädlich gemacht werden.

Nicht zuletzt kann während des Prozesses für jede Flasche eine einzigartige Markierung erstellt und eingedruckt werden, die in einer Datenbank gespeichert wird. Wenn der Endnutzer über ein entsprechendes API verfügt, hat er Zugang zu „seinen“ Produkten in der Datenbank und kann deren Daten (Beschichtung, Prozessparameter etc.) gezielt abfragen. Damit ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Wenn die Datenbank zudem noch Daten enthält wie die Nummer der Charge, aus der die Flasche befüllt wurde, kann die Markierung nicht zuletzt auch die Fälschungssicherheit erhöhen.

Kunststofffässer Rezyklat Schütz 1200

Nachhaltig: Die Fasskörper der neuen Green-Layer-Serie werden im Mehrschicht-Extrusionsverfahren mit einem Anteil von 40 Prozent an Kunststoffrezyklat produziert.

©Foto: Schütz

Green Layer für IBC und Fässer

Auf Nachhaltigkeit liegt auch der Fokus der aktuellen Neuheit von Schütz. Das Unternehmen aus Selters verbessert mit den neuen Green-Layer-Ausführungen die Ökobilanz von Kunststofffässern und IBC. Im sogenannten Mehrschicht-Extrusionsverfahren werden die IBC-Innenbehälter und Fasskörper mit einem Anteil von 40 Prozent an hochqualitativem Kunststoffrezyklat produziert. Dieses wird von dem Unternehmen selbst durch das weltweite Rückhol- und Rekonditionierungsprogramm gewonnen. Ein weiteres Novum: Auch die IBCs der Green-Layer-Serie verfügen über eine UN-Zulassung und sind für vielfältige Anwendungen mit Gefahrgütern geeignet.

Mehrfachverwendung und Recycling, ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft, war stets das Kernkonzept der Schütz-IBC. Der gesamte Lebenszyklus der Verpackungen ist nach Unternehmensangaben auf maximale Umweltfreundlichkeit ausgerichtet. Bei der Rekonditionierung im Rahmen des Schütz-Ticket-Service werden die Innenbehälter zurückgeholter IBC aus dem Stahlkäfig entnommen und einem aufwändigen Recyclingprozess unterzogen. Dabei werden sie zerkleinert, gereinigt und schließlich regranuliert. Spezielle Entgasungsextruder sorgen dabei für eine geruchs­arme, homogene Qualität. Das gewonnene HDPE-Rezyklat nutzt das Unternehmen im geschlossenen Kreislauf: Es fließt zu 100 Prozent in die interne Herstellung von Verpackungskomponenten aus Kunststoff zurück – darunter Eckschoner und Kunststoffpaletten. Daher verfügen IBCs von Schütz schon immer über einen außergewöhnlich hohen Anteil an Rezyklat. Je nach Art der Palette beträgt dieser zwischen 36 und 55 Prozent am Kunststoff des gesamten IBC.

Mit den neuen Green-Layer-IBC hat der Hersteller diese Quote nochmals gesteigert. Speziell bei diesen Containern wird auch für die Produktion des Innenbehälters hochqualitatives Recycling-Material verwendet. Allein die Innenblase verfügt beim innovativen Green-Layer-Modell über einen Rezyklat-Anteil von 40 Prozent. Das entspricht einer zusätzlichen CO2-Einsparung von mindestens acht Kilogramm pro IBC. Das recycelte HDPE wird dabei ausschließlich in die mittlere Schicht des Behälters extrudiert. Die innere und äußere Schicht besteht auch bei diesen Verpackungen weiterhin aus neuem HDPE-Material. Somit gewährleistet das Unternehmen, dass sowohl das Füllprodukt als auch die Umgebung nur mit Neumaterial in direkten Kontakt kommen – ein wesentlicher Beitrag zum Qualitätsschutz des Füllguts. Ausgestattet mit einer Vollkunststoffpalette beträgt dann der gesamte Rezyklat-Anteil am Kunststoff dieses speziellen IBC-Modells sogar 73 Prozent.

Kombi-IBC Ecobulk Schütz 1200

Der Ecobulk MX 560 kombiniert gutes Füllvolumen bei gleichzeitig geringer Containerhöhe mit bewährter Bodengruppe.

©Foto: Schütz

Einheitliches Erscheinungsbild

Mit den ökologischen Verpackungen und ihrem geringen CO2-Fußabdruck unterstützt das Unternehmen seine Kunden beim Erreichen ihrer Nachhaltigkeitsziele. Außerdem überzeugen die neuen Container durch ihr einheitliches Erscheinungsbild. Die Außenschicht ist komplett in Schwarz gehalten und vermeidet damit Farbvarianzen, die oftmals bei der Verwendung von Rezyklat in IBC-Innenbehältern auftreten. Sichtstreifen ermöglichen es dem Anwender, jederzeit den aktuellen Füllstand im Green-Layer-IBC zu erkennen.

Nicht zuletzt hat das Unternehmen zudem seine umfangreiche Produktpalette mit dem neuen Ecobulk MX 560 erweitert. Dieser IBC verfügt über eine besonders flache Form und hat ein Nennvolumen von 560 Litern. Er kombiniert gutes Füllvolumen bei gleichzeitig geringer Containerhöhe mit einer bereits vielfach bewährten Bodengruppe. Sie entspricht denen der MX-Typen mit 820, 1000 und 1250 Litern Fassungsvermögen. All diese Modelle der MX-Linie sind somit kompatibel. Ein Ex-Schutz durch eine geerdete Auslaufarmatur und Palette sowie ein Innenbehälter mit antistatischer Ausstattung machen den IBC auf Wunsch einsatzbereit für explosionsgefährdete Betriebsräume der Zonen 1 und 2 sowie für den Transport von Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von ≤ 60 °C. Zu den zusätzlich wählbaren Komponenten zählt des Weiteren ein Rückschlagventil in der Auslaufarmatur.

Ralph Ammann
Fachjournalist, Schwerpunkt Verpackungstechnik

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