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Schwerpunkt des Monats Juni 2021

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04.06.2021 Fachbeitrag

Kennzeichen: Die Kette optimieren

Die Gefahrgut- oder auch Gefahrstoffetikettierung scheint für viele Unternehmen keine große Rolle zu spielen. Dabei kann es sich lohnen, den gesamten Etikettierprozess unter die Lupe zu nehmen.
Etiketten Kennzeichen Gefahrzettel Regal 1200

Das einzelne Etikett spielt keine große Rolle, Kosten fallen kaum ins Gewicht. Bedeutsam wird das Thema erst, wenn die komplette Logistikkette betrachtet wird.

©Foto: Daniela Schulte-Brader/Springer Fachmedien München GmbH

Für die Gefahrenkommunikation sind sie entscheidend, ansonsten aber werden Gefahrzettel als Leichtgewichte behandelt. Allein der finanzielle Aufwand einzelner Gefahrgutetiketten gilt als vernachlässigbar, ebenso das physische Gewicht. Kein interessanter Posten also?

Alle möglichen Varianten

Zuerst einmal: Für das Anbringen von Gefahrzetteln auf Versandstücke gibt es keinen einheitlichen Prozess. Speditionen halten Gefahrzettel und Placards für den Fall vor, dass mal etwas nachgeklebt werden muss oder um Bergefässer zu kennzeichnen. Dies seien, so die Aussage einiger Spediteure, eher Einzelfälle. Für die kompliziertere Versandvorbereitung im Luftverkehr engagieren Speditionen gegebenenfalls externe Verpackungsfirmen. Gefahrstoffetiketten sind ebenfalls keine Angelegenheit der Spediteure, sondern Sache des Auftraggebers oder Lieferanten. So dienen im speditionellen Bereich die vorzuhaltenden Mengen an Etiketten dem Notfall – und sind überschaubar. Die Lagerung der Rollen und Folien erfolgt in der Regel im Meisterbüro.

Firmen, die für andere abfüllen und verpacken, kleben sowohl Gefahrzettel als auch– beim Abfüllen – Gefahrstoffetiketten auf Kartonagen, Kanister, Fässer oder IBC und zusätzlich Gefahrzettel auf die Stretchfolien, die mehrere Versandstücke mit einer Palette zu einer Ladeeinheit umwickeln. Der Bedarf an unterschiedlichen Etiketten ist um ein Vielfaches größer. Auch Hersteller von Erzeugnissen, deren Produkte unter die Gefahrgutvorschriften fallen, dürften einen höheren Bedarf an Gefahrgutetikettierung haben.

Chemieunternehmen mit dem wohl höchsten Bedarf sowohl an Gefahrgut- als auch an Gefahrstoffetiketten machen daraus meist einen Prozess in mehreren Schritten. Dafür sorgt allein schon der hohe Anteil an Gefahrstoffdaten, der darüber hinaus je nach Verbraucherstaat unterschiedliche Textbausteine und Sprachen erfordert. So werden beispielsweise bei einem Hersteller im Produktionsverlauf die Produkt- und Gefahrstoffdaten aufgedruckt oder Daten zur Einlagerung überklebt und die Gebinde dann, versehen mit Hinweisen auf UN-Nummer und Gefahrzettel, zur Transportvorbereitung weitergeleitet. Die benötigten Kennzeichen werden je nach Bedarf aus einem Zwischenlager angefordert.

Andere nutzen Teiletiketten mit vorgedruckten Registrierungstexten und ergänzt diese im Anschluss mit GHS-Rauten, UN-Nummer und Gefahrzettel. Andere wiederum setzen alles auf ein einziges, fertiges Etikett mit allen Daten direkt aus dem Drucker. Jede Variante der Etikettierung kann sinnvoll sein, abhängig von den Prozessen und Kosten.

Das Unternehmen BASF hat in den vergangenen Jahren diesen Bereich unter diversen Aspekten unter die Lupe genommen. Entstanden sind dabei viele Ideen zur Verbesserung und seit Neuestem ein eigenes Unternehmen.

„Ursprünglich ging es um eine Lösung, etikettierte Kartonagen für Pflanzenschutzmittel zeitnah zu ersetzen und damit flexibel zu bleiben, ohne Ausschuss zu produzieren.“ Das berichtet Mischa Feig, langjähriger Mitarbeiter bei der BASF und neu einer von zwei Geschäftsführern der Ausgründung Boxlab Services. Allein in Deutschland werden im Jahr rund 27.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel in den Verkehr gebracht und circa 80 Prozent davon in Kartonagen befördert.

Für die Pflanzenschutzmittel wurde eine Lösung gefunden. Die damit einhergehende Prozessoptimierung schien dann auch für andere Bereiche einsetzbar. „Seit einem Jahr beliefern wir den Standort Ludwigshafen der BASF in allen Bereichen etikettierten Packmittel und individualisierten Etiketten“, berichtet Mischa Feig. Jetzt sollen Beratung und Versorgung auch extern angeboten werden.

Lagerung vermeiden

„Unser Ziel ist es, Firmen so zu beraten, dass sie am Ende ihren Lagerbestand um 90 Prozent reduzieren.“ Der Fokus liege für das Ludwigshafener Unternehmen auf großen Unternehmen, aber Feig ist sich sicher, dass sie auch kleinen Unternehmen etwas bieten können.

Da gibt es zum Beispiel die Lagerung. Lagerflächen seien kostbar und gleichzeitig oft nicht geeignet für Etiketteneinlagerung, betont Feig. Ein Hersteller bestelle beispielsweise 20 verschiedene Formate mit jeweils einer Palette Mindestabnahme. Diese Etiketten benötigten dann für die Lagerung eine Raumtemperatur von 20 Grad (plus minus fünf Grad) sowie eine Luftfeuchtigkeit von rund 50 Prozent, um über einen längeren Zeitraum gute Hafteigenschaften beizubehalten, das A und O für gute Gefahrgutetikettierung. Zertifizierte seewassertaugliche Etiketten (im Seeverkehr vorgeschrieben) sind darüber hinaus nur circa ein Jahr lang haltbar.

Nun hat ein Chemieunternehmen für dieses Thema nicht unbedingt eine Kernkompetenz. Aus Sicht des Beratungsunternehmens sollten die Unternehmen deshalb große Bevorratung vermeiden und besser alle zwei, drei Wochen neu bestellen. Boxlab bietet seinen Vertragskunden eine App an, mit der Etiketten „on demand“ bestellt werden können. „Mindestbestellmengen haben wir nicht. Geht eine Bestellung online vor 11 Uhr ein, werden die Etiketten am gleichen Tag verschickt, auf jeden Fall verschicken wir innerhalb von 24 Stunden.“

Ein Vertragskunde bekäme nicht mit jeder Bestellung eine Abrechnung, sondern einmal im Monat. Bei einmaligen Bestellungen falle dieses Verfahren nicht unbedingt ins Gewicht, bei zehn oder mehr pro Monat und Niederlassung allerdings schon. Damit umgehe ein Unternehmen auch den üblichen Genehmigungsprozess, der sonst mit jeder Bestellung angestoßen würde.

Hier zeigen sich die Unterschiede zu den üblichen Etikettenanbietern. Die auf Gefahrgut- und Gefahrstoffetikettierung spezialisierten Anbieter könnten theoretisch alle ab einem Stück Etikett liefern. Aber viele Etiketten werden kundenspezifisch und auftragsbezogen hergestellt, weshalb meistens eine Mindestmenge von 5000 bis 10.000 Etiketten sinnvoll erscheint. Auch die Lieferzeiten liegen bei vielen Anbietern im Durchschnitt bei mindestens zehn bis 15 Arbeitstagen.

„Wir verkaufen nicht einzelne Etiketten, sondern einen Service“, betont Feig. Und dazu gehöre es, gegebenenfalls einzelne Etiketten und diese unmittelbar am nächsten Tag zu liefern. Ein einzelnes Etikett wäre damit teurer, aber der Kernpunkt liege auf der Optimierung der kompletten Prozesskette von der Bestellung bis zur Entsorgung. Und die Lagerung liege ganz aufseiten Boxlabs.

Ein weiterer Schwerpunkt der jungen Firma dreht sich um Abfälle, angefangen bei den Zulieferern, den Etikettenherstellern. „Wir schauen uns auch dort die Prozesse an. Je nachdem, mit wie viel Weißraum beispielsweise ein Anbieter seine Gefahrstoffetiketten druckt, hat er innerhalb eines Jahres entweder eine Tonne oder – im Fall eines sparsameren Schnittes – nur 500 Kilogramm Abfall.“ Dem Kunden sei dieser Aspekt vielleicht nicht so wichtig, aber Nachhaltigkeit beginne nun mal nicht erst mit der Entsorgung.

„Nachhaltigkeit hieß früher: ‚Es muss kostenneutral sein“, beschreibt Feig. Und er konstatiert: „Hier findet gerade ein Umdenken statt.“

So hätten sich die ersten Kunden darauf eingelassen, die Trägerpapiere, von denen sich die Etiketten ablösen lassen, zu sammeln und über Boxlab der Wiederverwertung zukommen zu lassen. „Die Trägerpapiere und -folien sind silikonisiert und gehören nicht in den Papier- oder Plastikmüll. Sie werden normalerweise mit dem Restmüll entsorgt“, sagt Feig. Diese Abfallbeseitigung sei nicht der optimale Entsorgungsweg und verursache zudem Kosten. „Viele Firmen suchen Nachhaltigkeitsansätze und sehen diese an dieser Stelle gar nicht. Es gibt sie aber. Etiketten sind nicht ein Thema, worum sich die Unternehmen intensiv kümmern möchten. Und doch sind es ihre Visitenkarten.“

Daniela Schulte-Brader

GHS-Etiketten Gefahrzettel UN 2056 1200

In der Chemieindustrie werden Gefahrstoffinformationen zusätzlich zu Gefahrgutangaben etikettiert. Alles auf ein Etikett zu setzen, mindert die Flexibilität gegenüber Vorschriftenänderungen und Beförderungszielen, aber es benötigt nur einen Prozessschritt und die Gefahrgutkennzeichnung wird nicht vergessen.

©Foto: Chemplus
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