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Schwerpunkt des Monats April 2021

Luftverkehr

01.04.2021 Fachbeitrag

ICAO-DGP: Im Panel arbeiten in Corona-Zeiten

Auch das ICAO Dangerous Goods Panel DGP WG-20 tagte im Oktober 2020 virtuell, nicht zuletzt mit einigen Themen rund um den Lufttransport im Zusammenhang mit Covid-19.
ICAO Montreal Kanada 1200

Das Büro der International Civil Aviation Organization (ICAO) sitzt im kanadischen Montreal.

©Foto: Erwin Sigrist

Eine Videokonferenz innerhalb des Betriebs oder mit Kolleginnen und Kollegen in Europa zu organisieren ist ja in der heutigen Zeit keine Schwierigkeit mehr. Aber eine internationale Konferenz, mit Teilnehmenden von Amerikas Westküste bis Australien und Japan, ist zeitlich ein Challenge. Die einen müssen um sechs Uhr morgens aus den Federn, für die anderen beginnt die Arbeit um Mitternacht und endet um fünf Uhr. Glücklich ist, wer in Europa zu Hause ist und sich bequem am Nachmittag einwählen kann. Falls uns Corona zumindest etwas Positives verschafft hat, dann sind es die üblich gewordenen Videokonferenzen, auch wenn diese eine Face-to-Face-Veranstaltung bestenfalls teilweise ersetzen können. Aber die wahren Gefahrgutcracks kennen keinen Schmerz und setzen sich rund um die Uhr für ihr Aufgabengebiet ein. So waren vom 19.-23. Oktober 2020 insgesamt 66 Teilnehmende zugeschaltet.

Mit zwei Anträgen wurde beantragt, das Beförderungsverbot für die UN-Nummern 3538, GEGENSTÄNDE, DIE NICHT ENTZÜNDBARES, NICHT GIFTIGES GAS ENTHALTEN N.A.G., sowie UN 3548, GEGENSTÄNDE, DIE VERSCHIEDENE GEFÄHRLICHE GÜTER ENTHALTEN, N.A.G., per Luftfracht aufzuheben. Beim DGP/27 im September 2019 wurde dieses Ansinnen wegen ungenügender Datenlage noch abgelehnt. Eine Mehrheit der Teilnehmenden unterstützte die Anliegen grundsätzlich. Über die genaue Umsetzung war man indes uneins und erwartet nun überarbeitete Anträge bei der nächsten Tagung.

Desinfektionsmittel an Bord

Corona wirft auf auch einen Schatten auf die Entwicklung der Luftfracht-Gefahrgutvorschriften. In der heutigen Zeit müssen Fluggesellschaften alkoholbasierte Handdesinfektions- und Reinigungsmittel an Bord dabeihaben. Ein Antrag der IATA schlug vor, diese Maßnahme in den Vorschriften zu gestatten. Es ist wenig überraschend, dass der Antrag angenommen wurde. Mittels Addendum 1 von ICAO sowie IATA wurde die neue Bestimmung sehr kurzfristig in Kraft gesetzt.

Die Mitnahme solcher Desinfektionsmittel durch die Passagiere selbst war ebenfalls Gegenstand eines Antrages. Eine solche ist eigentlich zugelassen, aber die Bestimmung wurde von den Fluggesellschaften unterschiedlich interpretiert. Deshalb hat ICAO in der Zwischenzeit einen Leitfaden dazu publiziert (www.icao.int/safety/Covid-19OPS/Pages/DangerousGoods.aspx).

Die Praxis der Umnutzung nicht ausgelasteter Passagierflugzeuge während der Covid-19-Pandemie, um ihre Frachtkapazität zu erhöhen, indem die Fracht in die Passagierkabine geladen wurde, hat mögliche Unstimmigkeiten mit den Lade- und Stauvorschriften in Teil 7;2 der technischen Anweisungen aufgezeigt. Diese wurden auf einer virtuellen DGP-Sitzung im Mai 2020 erörtert. Das Thema wurde eingehend diskutiert und drehte sich auch um die Frage, ob Gefahrgüter in Passagierflugzeugen ohne Passagiere verladen werden dürfen. Letzteres wurde klar bejaht. Aber die Problematik erfordert eine vertiefte Betrachtung und das Sekretariat muss Rücksprache nehmen mit den „Airworthiness Operations and Experts“. Was aber nicht zulässig ist, ist die Beförderung von CAO-Ware in Passagierflugzeuen, mit oder ohne Passagiere.

Ersetzen von Etiketten

Die ICAO-TI enthalten in 7;2.7 eine Bestimmung, wonach die Fluggesellschaften beschädigte, unleserliche oder verloren gegangene (Gefahren-)Etiketten an Gebinden ersetzen dürfen (in Übereinstimmung mit der Shippers Declaration). Seit der Annahme dieser Bestimmungen wurden diverse Markierungen eingeführt (u. a. für Limited Quantities, Excepted Quantities, Lithium-Batterie-Markierung). Die IATA beantragte deshalb, dass die bestehende Bestimmung betreffend „Labels“ durch den Begriff „Marks“ ergänzt wird. Es gab viel Unterstützung für den Antrag, aber es wurde auch bemängelt, dass die vorgeschlagene Formulierung zu weit gefasst sei, da es auch Markierungen gebe für Sendungen, für welche keine Shippers Declaration erforderlich sei. Die IATA wird daher den Vorschlag überarbeiten.

Auf Antrag Australiens wird die Sondervorschrift A61 (der UN 2212 ASBEST, AMPHIBOL sowie UN 2590 ASBEST, CHRISOTYL zugeordnet) ergänzt. Der Zusatz lautet: „The words “not restricted” and the special provision number A61 must be provided on the air waybill when an air waybill is ­issued“

China schlug eine kleine Änderung der Sondervorschrift A180 vor. Dieser Antrag wurde angenommen: A180 a) 1) und 2) werden ergänzt: „…alcohol solution or a formaldehyde solution.“

Mehrere Anträge betreffend die Verpackungsvorschrift PI 966 (für UN 3481 LITHIUM IONEN BATTERIEN IN / MIT AUSRÜSTUNGEN) sowie PI 969 (für UN 3091 LITHIUM IONEN BATTERIEN IN / MIT AUSRÜSTUNGEN). wurden angenommen.

Künftige Themen

Das Panel bekam auch sehr umfangreiche Informationen, die zurzeit noch nicht in die Vorschriften einfließen. Dabei ging es um

  • Drohnen (RPAS – Remotely Piloted Aircraft System)
  • Informationen des ICAO/UPU (Universal Postal Union) Contact Committee Meeting betreffend den Versand von Gefahrgut per Post
  • Aktivitäten der IATA betreffend die Corona-Pandemie
  • Resultate von Untersuchungen betreffend „Lithium Battery Fires“
  • „Lithium Battery Package Performance Standards“

Wie all diese Resultate in die Gesetzgebung fließen, werden künftige ICAO-DGP-Meetings zeigen.

Zu guter Letzt gab es auch noch Informationen von ICAO zum global zurzeit wichtigsten Thema: Covid-19. Man hat eine Webseite eingerichtet mit „Operational measures“: www.icao.int/safety/Covid-19OPS/Pages/default.aspx. Diese richtet sich allerdings in erster Linie an die Fluggesellschaften.

Die nächste ICAO-DGP-Tagung, die WG/21, findet voraussichtlich im Frühjahr 2021 wiederum in virtueller Form statt.

Erwin Sigrist
Leiter Fachbereich „Transport gefährlicher Güter“ beim Schweizer Wirtschaftsverband scienceindustries und Delegierter von CEFIC beim ICAO-DGP.

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