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Schwerpunkt des Monats März 2021

Entsorgung

04.03.2021 Fachbeitrag

Gb-Schulung digital: „fully interactive“

Die Corona-Pandemie ist Anlass, dass die IHKs nun Grundschulungen zum Erwerb der Gefahrgutbeauftragtenzulassung als Digitalpräsenzschulung anerkennen. Allerdings zunächst befristet.
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Erste Anbieter für Gefahrgutbeauftragten-Schulungen führen zu ihren Präsenzschulungen nun auch Online-Präsenzschulungen ein.

©Foto: AdobeStock | ST.art

Das Projekt ist erst einmal bis zum 31. Dezember 2021 befristet. „Erst dann können wir beurteilen, ob wir mit dieser Form der Schulung weitermachen können.“ Jörg Albertzard, bei der Handelskammer (HK) Bremen für Gefahrgutbeauftragten-Schulungen zuständig, hat Anfang Januar 2021 die bestehende Anerkennung eines Schulungsanbieters mit einer Erweiterung versehen, sodass dieser nun auch Online-Präsenzschulungen durchführen kann.

Das gleiche Verfahren hat Alfred Winklhofer (IHK Schwaben) für einen anerkannten Anbieter durchgeführt, ebenso wie Christian Hüttinger (IHK München und Oberbayern) für zwei Schulungsanbieter. Drei der vier Anbieter haben gleich im Aschluss erste Online-Präsenzschulungen gehalten und die Teilnehmer haben danach die Prüfung bei den IHKs durchlaufen.

Corona hat es möglich gemacht

Schon vor Corona-Zeiten hatten sich einige Schulungsveranstalter mit dem Thema Online-Präsenzschulung beschäftigt. Aber erst mit den Auswirkungen der Pandemie auf Vor-Ort-Schulungen kam unerwartet Schwung in das Thema. Die IHKs haben sich in kurzer Zeit für das Thema geöffnet, mit Schulungsanbietern Umsetzungen besprochen und ihre Satzungen überprüft. Dabei galt es eine erste rechtliche Hürde zu überwinden. Denn: „Die Rechtslage ist nicht eindeutig“, so formuliert es Alfred Winklhofer. In den internationalen und nationalen Vorschriften sei lediglich von „Schulung“ die Rede, die IHK-Satzungen legten aber explizit die Verpflichtung zu einer physischen Präsenzschulung fest.

Um die Satzung nicht ändern zu müssen, wurde im Sommer 2020 ein Pilotprojekt gestartet. Im engen Austausch mit Schulungsanbietern hatte die IHK München und Oberbayern erste Grundzüge einer „Leitlinie zur Durchführung von Onlineschulungen im Rahmen der Gefahrgutbeauftragten-Schulungen“ aufgestellt. Der Arbeitskreis Gefährliche Güter des DIHK (bestehend aus 16 Vertretern von Vor-Ort-IHKs im Bereich Verkehr und weiteren Vertretern) hat darauf aufbauend sieben sogenannte Modifikationen zu einzelnen Paragrafen der Satzung mit diversen Unterpunkten formuliert, die nun einheitlich in ganz Deutschland gelten.

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Die Unterrichtszeiten sind anders verteilt als in einer Präsenzschulung und erlauben mehr Übungszeit.

©Foto: AdobeStock | REDPIXEL

Mit der Leitlinie im Gepäck konnten sich die IHKs auch das OK des Verkehrsministeriums (BMVI) zu ihrem Vorhaben abholen. Zumal in der Leitlinie gleich mit festgelegt wurde, wie am Ende des Jahres das Projekt ausgewertet werden soll – mit Feedback von Teilnehmern und Lehrkräften, der Auswertung der Bestehensquote und einer Validierung der Lehrgangsform.

„Es wäre gut, wenn noch mehr auf den Zug aufspringen und diese Schulungsform ausprobieren“, befindet Hüttinger. „Dieses Jahr ist ja wie dafür gemacht.“ Die IHK-Verantwortlichen würden den Dozenten den Freiraum geben, in Absprache kurzfristig den Stundenplan anzupassen. Da es sich um bekannte anerkannte Veranstalter handelt, bestehe ein Grundvertrauen in deren inhaltliche Qualifikation.

Nun sind vier von gut 180 Schulungsveranstaltern in Deutschland eine sehr kleine Zahl. Hüttinger wünscht sich vor allem von den großen Veranstaltern, die ihre Schulungen deutschlandweit anbieten, weitaus mehr Interesse an der neuen Form. Denn der Beginn sieht gut aus. „Nach drei, vier durchgeführten Online-Präsenzschulungen sind die Erfahrungswerte für eine Einschätzung natürlich noch deutlich zu gering“, wie Albertzard sagt.

„Ein Vorteil liegt auf jeden Fall auf der Hand“, so Winklhofer. Der Schulungsveranstalter müsse sich lediglich bei einer einzigen Kammer anerkennen lassen und könne die Schulung deutschlandweit anbieten. Die Teilnehmer müssten nicht mehr zu ihm hinfahren, um an seiner Schulung teilzunehmen, sondern sich lediglich im Anschluss für die Prüfung bei ihrer IHK melden. Diese findet weiterhin vor Ort und mit den Vorschriften in Papierform als Hilfsmittel statt.

Ein weiterer positiver Aspekt für Winklhofer sind die reduzierten Unterrichtseinheiten in der Online-Präsenzschulung: „Was auffällt, ist, dass die Teilnehmer deutlich mehr Puffer haben, um eigenständig Themen nachzuarbeiten und zusätzliche Aufgaben zu lösen.“ Die Schulung ende ja jeweils nach sechs Unterrichtseinheiten mittags gegen 13:30 Uhr. In den üblichen, meist dreitägigen Vor-Ort-Veranstaltungen würden die Teilnehmer an langen Tagen so viel Input bekommen, dass sie abends kaum mehr in der Lage seien, für sich alleine weiterzuarbeiten.

Nicht weniger wichtig: die freie Zeit nach der offiziellen Schulungsdauer ist auch dann wertvoll, wenn beispielsweise Leitungsprobleme auftauchen.

Eine der vorgeschriebenen Voraussetzungen für eine Teilnahmebescheinigung ist die ununterbrochene Anwesenheit mittels Kamera beziehungsweise Webcam an der Schulung. Dies lässt sich meistens, aber nicht immer störungsfrei bewerkstelligen. So ist bei einer ersten Schulung ein Teilnehmer rausgeflogen, weil im eigenen Haushalt die Homeschooling-Zeit begann. Er kam gleich wieder rein, aber der Dozent hat den Ausfall protokolliert und an die IHK weitergegeben, inklusive der Nacharbeitszeit. Festgelegt ist, dass bei einem Ausfall länger als zehn Minuten die IHK entscheidet, wie damit umzugehen ist.

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Voraussetzung für eine Teilnahmebescheinigung: Alle Teilnehmer müssen immer sichtbar sein.

©Foto: AdobeStock | Andrey Popov

Die Technik stellt die entscheidende Hürde dar. So soll spätestens zwei Werktage vor Schulungsbeginn der Schulungsveranstalter die technische Ausstattung durch einen Funktionstest prüfen.

Damit ist ein erhöhter Aufwand auf beiden Seiten verbunden. Auf der Seite des Schulungsveranstalters und des Dozenten sind weitere Anforderungen entscheidend für den Erfolg einer Online-Präsenzschulung. In der Leitlinie sind ganze zehn Unterpunkte zur Software des Veranstalters genannt, die umgesetzt werden müssen. Dem Veranstalter wird dabei keine konkrete Software vorgegeben. Dieser muss sich also durch das stetig wachsende Angebot kämpfen (siehe ganz unten) und der Dozent eine ausreichende Vertrautheit damit erlangen. Das ist viel verlangt. Zwei der Schulungsveranstalter setzen deshalb neben den Dozenten einen Mitarbeiter für den technischen Support in die Schulung. Dieser kümmert sich um Probleme aufseiten der Teilnehmer, verfolgt den Chat und hilft dem Dozenten, wenn dieser beispielsweise unterschiedliche Medien mit mehreren Kameraeinstellungen oder eine Schreibtischkamera (um zum Beispiel gemeinsam mit den Teilnehmern in die Vorschriften zu schauen) oder weitere Software für eine abwechslungsreiche Aufgabenbearbeitung nutzen will.

„Sechs bis acht Teilnehmer lassen sich eventuell noch alleine steuern, aber darüber hinaus wird es schwierig“, so Hüttinger. Wenn dann noch mangelnde Vorerfahrung zur Didaktik in Onlineschulungen hinzukommt, ist nicht jeder begeistert. „Es gibt viele Berührungsängste einzelner Veranstalter“, so Hüttinger.

„Die maximale Teilnehmerzahl wird einer der Punkte sein, über die Ende des Jahres noch einmal nachgedacht werden muss“, sagt Albertzard. Weniger Teilnehmer bei höherem Aufwand bedeutet allerdings, dass eine Online-Präsenzschulung nicht günstiger als eine Vor-Ort-Schulung sein wird, im Gegenteil. Trotzdem sehen sowohl er als auch Albertzard und Winklhofer Potenzial für das neue Format.

Ob sich das neue Format durchsetzt, ist offen. Es hängt auch davon ab, ob sich weitere Schulungsveranstalter exerimentierfreudig darauf einlassen.

Daniela Schulte-Brader


Train the Online-Trainer

Für eine Online-Präsenzschulung wird vom Dozenten erwartet, dass er neben der fachlichen Qualifikation didaktische Grundsätze für eine Onlineschulung beherrscht. Onlineschulungen erfordern besonderes Know-how, um Teilnehmer zu aktivieren. Anbieter von Fachtrainerkursen bieten – integriert in einen allgemeinen Trainerkurs oder für ausgebildete Trainer – Onlinekurse an, die das nötige Know-how vermitteln, inklusive gemeinsame Übungszeiten.

Angebote für digitales Know-how (Auswahl)

Train the Online-Trainer

www.competenceontop.com

Zertifizierte Online-Ausbildung: 6 halbe Tage

www.contur-online.de

5 Onlineschulungen à 2 Stunden

www.haufe-akademie.de

Ausbildung mit Zertifikat: 6 Module

www.ihk-berlin.de

Zertifizierter Lehrgang zum Live-Online-Trainer

www.pro-komm.de

2-Tage-Kurs für (Fach-)Trainer

www.rennie.expert

4 Module in 8 Sitzungen à 2 Stunden

www.steginkgroup.de

Ausbildung mit Zertifikat: 6 Webinare à 2,5 Stunden

www.strober-partner.de

Train the virtual Trainer: 3 Tage

train-the-trainer-seminar.de

Zertifizierte Online-Ausbildung: 3 x 3 Tage


Leitlinie zur digitalen Präsenzschulung

Der DIHK-Arbeitskreis „Gefährliche Güter“ hat im vergangenen Jahr aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie einen Leitfaden zur Durchführung von Onlineschulungen im Rahmen der Gefahrgutbeauftragten-Schulungen erstellt. Dieser ist befristet bis zum 31. Dezember 2021 und für alle IHKs verbindlich.

Mit sieben Erweiterungen (Modifikationen) werden zu bestehenden Paragrafen der IHK-Satzung zur Schulung Abweichungen festgelegt: zum Lehrplan (methodische Grundsätze einer Onlineschulung), zum sachlichen und zeitlichen Umfang (nicht mehr als 6 UE pro Tag), zu Lehrkräften (sicher im Umgang mit dem verwendeten System), Teilnehmerzahl (maximal 10), Unterrichtsplan, Teilnahmebescheinigung, Überwachung, technische Voraussetzungen und Datenschutz. Die Leitlinie kann bei jeder IHK angefordert werden.

Auf www.fokus-gefahrgut.de steht sie in den Arbeitshilfen unter „Schulung“ zur Verfügung.


Software für digitale Schulung

Unterschieden wird zwischen Lernmanagementsystemen (LMS) und virtuellen Klassenzimmern. Moodle gehört beispielsweise zur ersten Kategorie, Adobe Connect und Zoom gehören zur zweiten.

Zusätzlich können in diese Software noch weitere Plattformen für Gruppenarbeiten eingebunden werden, sogenannte Kollaborations-Software oder Workflow-Management-Systeme. Beispiele hierfür sind miro, stormboard, liveboard.online, whizwall, groupmap oder webboard.

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Schulung geschafft, Prüfung bestanden.

©Foto: AdobeStock | Alice
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