Aus- und Weiterbildung

06.05.2021 Fachbeitrag

Digitale Schulungen: Unterschiedliche Philosophien

Seit Anfang 2021 können Schulungsveranstalter eine Zulassung für digitale Grundkursschulungen für Gefahrgutbeauftragte beantragen. Nicht für jeden ist das Format neu – und nicht jeder möchte mitmachen.
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Authentisch bleiben und mit den persönlichen Stärken erfolgreich online schulen. Das kann auch bedeuten, sich auf wenige Hilfsmittel zu konzentrieren.

©Foto: Behrendt Consulting

Die Pandemie hat auch bei den Gefahrgutschulungen zu einem gewaltigen Digitalisierungsschub geführt. So gaben bei einer aktuellen Umfrage der Redaktion fokus GEFAHR/GUT mehr als die Hälfte von knapp 60 Schulungsanbietern an, ADR-Mitarbeiterschulungen digital durchzuführen.

Etwas weniger hoch lag der Anteil an Mitarbeiterunterweisungen zu RID-, IMDG-Code- oder IATA-Vorschriften. Aber auch andere Themen wie Ladungssicherung, Gefahrstoffrecht oder Prüfungsvorbereitung für die Wiederholungsprüfung Gb werden von einigen Schulungsanbietern digital bedient – und dies zum Teil schon seit einigen Jahren.

Anders als bei den Mitarbeiterunterweisungen ist es erst seit einigen Monaten möglich, beim Luftfahrtbundesamt (LBA) eine Genehmigung für Gefahrgutonlineschulungen zu erhalten oder aber die Zulassung einer IHK für einen digitalen Gefahrgutbeauftragten-Grundkurs. Letztere ist zeitlich erst einmal auf dieses Jahr befristet (siehe dazu ausführlich den Beitrag in der GEFAHR/GUT 03/2021 und kurz im Kasten ganz unten).

Die Reaktion der Schulungsanbieter auf diese Angebote könnte zurzeit nicht unterschiedlicher ausfallen. Während sich die einen überschlagen vor positiven Meldungen wie „Unsere Onlineschulungen laufen überraschend gut“, „Das Feedback der Teilnehmer ist fantastisch!“ oder „Bis Ende des Jahres sind Teilnehmer für unsere Onlineschulungen angemeldet“, äußern sich andere skeptisch bis ablehnend. So meldet ein Anbieter: „Wir bieten keinerlei Onlineschulungen an. Neben unserem Motto ‚Aus der Praxis für die Praxis‘ sind wir der Überzeugung, dass Präsenzschulungen durch nichts zu ersetzen sind.“

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Wie aus einer anderen Epoche: so nah beieinander lernen.

©Foto: Springer Fachmedien München/Frank Rex

Sicherheitsbedenken

Teilweise wird die Ablehnung mit Sicherheitsbedenken begründet. So antwortete ein Schulungsanbieter: „Wir sind davon überzeugt, Lernerfolge nur bei Präsenzschulungen zuverlässig erreichen zu können, und befürchten, dass Onlineschulungen negative Auswirkungen auf die Sicherheit haben können.

Diese Aussage bezieht sich auf mehrtätige Schulungen, etwa für die PK 1, 2, 3 und 6. Für Tagesschulungen sehen wir Onlineschulungen durchaus als gute Ergänzung, planen hierfür aber kein eigenes Programm.“

Und manch einer will einfach auf Nummer Sicher gehen. So meldete ein Schulungsanbieter: „Nach Auswertung dieses IHK-Online-Projekts zum Gefahrgutbeauftragten werden wir entscheiden, ob und wie genau wir ein entsprechendes Angebot unseren Kunden anbieten.“

Trotzdem sind zu den anfänglich drei, vier Schulungsanbietern mit einem IHK-zugelassenen Onlineangebot weitere hinzugekommen, von Flensburg über Bielefeld bis hin nach Nürnberg, Augsburg, Mühldorf oder Burghausen.

„Wir hätten schon im Januar starten können“, berichtete Roland Väth von der TÜV Süd Akademie am Standort Augsburg, „mussten aber erst einige Fragen klären.“ Dadurch, dass die Schulungstage sich im Onlinemodus automatisch um zwei Tage verlängern würden, hätte mancher Referent abgewunken. Eine andere Frage betraf die Unterlagen, die ein Teilnehmer benötigt. Nachdem geklärt war, dass diese, datenschutzrechtlich abgesichert, ihre für die Prüfungen unerlässlichen ADR-Bücher nach Hause geschickt bekommen dürfen, konnte die Zulassung beantragt werden.

Inzwischen ist eine Schulung beim TÜV erfolgreich durchlaufen, die andere folgt zeitnah. Die Resonanz sowohl vom Referenten als auch von den Teilnehmern war durchweg positiv. Referenten werden nun über ein hauseigenes „How to – Live Online Training“ geschult, bevor sie eine Schulung übernehmen können. Die Dekra Akademie bereitet ebenfalls an den bislang zugelassenen Standorten Flensburg und Bielefeld Trainer intern vor. Und auch hier werden die Durchläufe seit Januar von allen Seiten gelobt.

Bei den Grund- und Wiederholungskursen für Gefahrgut im Luftverkehr sind mittlerweile zwei Handvoll Schulungsanbieter online dabei, mit ähnlich positiver Resonanz. Mit deutlich umfangreicheren, da konkreteren Vorgaben seitens des Luftfahrtbundesamts zu technischen und organisatorischen Vorgaben haben sich die teilnehmenden Schulungsanbieter arrangiert. So schwört der eine auf zusätzliche Onlinetools für die Gruppenarbeit und den Wechsel zwischen mehreren Kameratypen. Anderen reicht eine gute Kamera, Flipchart, Tablet sowie ein genügend großer Raum im Zusammenspiel mit der Schulungsplattform.

Andere Rahmenbedingungen

Leider kommen nicht alle Schulungsanbieter, die online aufspringen möchten, zum Zug. Manch einem wird eine IHK-Zulassung verweigert – allerdings nicht, weil ein Konzept es nicht verdient hätte.

Von enttäuschten Unternehmen genannte IHKs gaben auf Rückfrage der Redaktion massive Kapazitätsprobleme auf der einen und wenige Teilnehmerzahlen auf der anderen Seite als Hinderungsgrund an. Auch seien die Informationen vonseiten des DIHK bisher sehr spärlich an sie geflossen. Gegebenenfalls würde zuerst das Projektende abgewartet werden.

Daniela Schulte-Brader


Online-Trainer

Für eine Online-Präsenzschulung wird vom Dozenten erwartet, dass er neben der fachlichen Qualifikation didaktische Grundsätze für eine Onlineschulung beherrscht. Onlineschulungen erfordern besonderes Know-how, um Teilnehmer zu aktivieren. Größere Schulungsanbieter für Gefahrgutkurse bieten diese Zusatzqualifikation für Ihre eigenen Trainer an. Anbieter von Fachtrainerkursen bieten – integriert in einen allgemeinen Trainerkurs oder für ausgebildete Trainer – allgemeine Onlinekurse an, die das nötige Know-how vermitteln, inklusive gemeinsamer Übungszeiten. Eine Übersicht mit Anbietern finden Sie unter www.fokus-gefahrgut.de, bei den Marktübersichten in den Arbeitshilfen oder mit dem Suchwort „Onlinetraining“.


Digitale Präsenzschulung Gefahrgut im Landverkehr

Der DIHK-Arbeitskreis „Gefährliche Güter“ hat einen Leitfaden zur Durchführung von Onlineschulungen im Rahmen der Gefahrgutbeauftragten-Schulungen erstellt. Dieser ist befristet bis zum 31.12.2021 und für alle IHKs verbindlich. Prüfungen finden weiterhin mit Präsenzpflicht statt. Anfang 2022 soll das Projekt ausgewertet werden – mit Feedback von Teilnehmern und Lehrkräften, der Auswertung der Bestehensquote und einer Validierung der Lehrgangsform.

Die Leitlinie kann bei jeder IHK angefordert werden. Auf www.fokus-gefahrgut.de steht sie in den Arbeitshilfen unter „Schulung“ zur Verfügung.


Digitale Präsenzschulung für Gefahrgut im Luftverkehr

Zur Durchführung von digitalen Grund- und Wiederholungsschulungen für Gefahrgut im Luftverkehr hat das Luftfahrtbundesamt (LBA) Anfang Februar 2021 aktuelle Regeln veröffentlicht (NfL_2_586_21). Genehmigt werden Grundschulungen für alle Personalkategorien bis auf PK 3, 6, 7 und 8 beziehungsweise alle Tätigkeitsmodule gemäß den Regelungen für das neue Schulungsmodell „Competency Based Training“ (CBTA) bis auf die Module C, F, G und H. Wiederholungsschulungen können für alle Personalkategorien und Tätigkeitsmodule auf Antrag als Onlineschulungen genehmigt werden. Prüfungen finden ebenfalls digital statt.

Die Bekanntmachung mit Anforderungen an Technik, Organisation und Qualifikation kann auf der Homepage des LBA heruntergeladen werden.

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