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Kennzeichnung

02.09.2021 Fachbeitrag

Kombinierter Verkehr: Wo muss der Zettel hin?

Im Kombinierten Verkehr unterscheiden sich die Gefahrgutvorschriften der beteiligten Verkehrsträger vor allem bei der Kennzeichnung der Ladeeinheiten.
Tankcontainer Warntafel UN 1750 Klasse 6 1200

Passt das so oder ist das zu blass? Immer wieder kommt es zu Diskussionen über den richtigen Farbton der orangefarbenen Warntafeln

©Foto: Ullrich Lück

Beim Kombinierten Verkehr handelt es sich um die Verknüpfung von mindestens zwei verschiedenen Verkehrsträgern, zum Beispiel Straße/Schiene oder auch Straße/Schiene/Schiff. Ob Wechselbehälter, Container, Tankcontainer, Sattelanhänger oder komplette Lkw auf der Rollenden Landstraße – fast alle Ladeeinheitentypen können im Kombinierten Verkehr befördert werden.

Möchte man Gefahrgut befördern, sollte man allerdings vor dem Versand prüfen, welche Verkehrsmittel involviert sind, denn davon hängt es auch ab, welche Vorschriften zu beachten sind.

So wird in der Disposition in vielen Speditionen meist nur mit dem ADR gearbeitet. Dann ist die Überraschung groß, wenn der Lkw-Fahrer am Kombiterminal abgewiesen wird, weil er beispielsweise UN 3231 in seinem Container geladen hat. Hätte man bei der Transportplanung auch in das RID geschaut, wüsste man, dass einige Stoffe generell nicht zum Eisenbahntransport zugelassen und in der Tabelle 3.2A des RID auch entsprechend als „verboten“ gekennzeichnet sind.

Zudem gibt es noch Einschränkungen bei einigen (wenigen) Tunneln, unter anderem beim Ärmelkanaltunnel oder in den Tunneln unter dem Storebælt oder Øresund hindurch. Diese Einschränkungen gelten allerdings nicht nur für den Eisenbahn-, sondern auch für den Straßenverkehr. Einen Tunnelcode wie im ADR gibt es im RID aber nicht.

Unterschiedliche Kennzeichnung

Allgemein gilt, dass Container und Wechselbehälter im Schienenverkehr mit Großzetteln (Placards) gekennzeichnet werden, Sattelauflieger mit Großzetteln oder orangefarbenen Tafeln. Insbesondere im Kombinierten Verkehr Straße/Schiene/Schiff (wenn die Reedereien nach dem IMDG-Code verkehren) führt Letzteres oft zu Problemen, wenn Kunden ihre Sattelanhänger im Ostseeverkehr zum Beispiel mit der Firma Kombiverkehr nur bis Kiel, den anschließenden Fährverkehr aber selbst bei der Reederei buchen. Während am Abgangsterminal die orangefarbenen Tafeln oder Placards an den Längsseiten am Sattelauflieger ausreichen, verweigert die Reederei die Verladung an Bord, weil nach dem IMDG-Code auch an Sattelanhängern Placards an allen vier Seiten vorgeschrieben sind.

Laut Abschnitt 1.2.1 ADR/RID ist ein Wechselbehälter ein Container, wobei für beide aber unterschiedliche Kennzeichnungsvorschriften gelten. Die Kennzeichnung eines Wechselbehälters mit Placards ist im Kombinierten Verkehr während der gesamten Transportkette vorgeschrieben, im reinen ADR-Verkehr dagegen nicht. Ein Container muss dagegen immer mit Placards gekennzeichnet sein (Bem. zu 5.3.1.2 ADR).

Aber: Der Wechselbehälter (ohne Placards) kann als Wechselaufbau bei Bedarf schnell auf seinen Beinen abgestellt werden, und dann ist das Chassis (mit der orangefarbenen Tafel) weg. Dagegen kann der Container (mit den Placards) nur zusammen mit dem Chassis (und dessen orangefarbener Tafel) abgestellt werden.

Umweltgefährdende Stoffe

Wenn nach den Vorschriften des Abschnitts 5.3.1 ADR/RID das Anbringen eines Großzettels (Placard) erforderlich ist, muss bei (Tank-)Containern und Wechselbehältern das Zeichen für umweltgefährdende Stoffe an den Seiten angebracht sein, an denen die Großzettel (Placards) angebracht sind. Bei Sattelaufliegern ist das Anbringen abhängig von der Art Kennzeichnung (1.1.4.4 RID).

Beispiel: Zwei Sattelanhänger sind unter anderem beladen mit UN 3077 Umweltgefährdender Stoff, fest, n.a.g. Der eine ist auf beiden Seiten mit Placards versehen und dem dann vorgeschriebenen Kennzeichen für umweltgefährdende Stoffe. Der andere trägt vorne und hinten eine orangefarbene Tafel und benötigt deshalb kein Kennzeichen für umweltgefährdende Stoffe. Frage: Wo ist der Unterschied in der Gefährlichkeit?

Der IMDG-Code (5.3.2.3 IMDG) ist da konsequent: Güterbeförderungs-Einheiten, die Meeresschadstoffe enthalten, müssen an den nach 5.3.1.1.4.1 IMDG-Code angegebenen Stellen deutlich mit dem entsprechenden Kennzeichen markiert sein (außer, es ist nur LQ geladen). Eine Güterbeförderungs-Einheit nach 1.2 IMDG-Code ist unter anderem ein Straßentank- oder Straßengüterfahrzeug, ein Eisenbahnwaggon oder auch ein multimodaler Frachtcontainer. Hier heißt es dann in 5.3.1.1.4.1 IMDG-Code, dass diese an beiden Enden und an beiden Längsseiten zu kennzeichnen sind.

Begrenzte Mengen

Aber auch bei den begrenzten Mengen (3.4.13 ADR/RID bzw. 3.4.5.5 IMDG) gibt es Unterschiede bei den Verkehrsträgern, die dem Kombinierten Verkehr Probleme machen. Nach ADR/RID müssen Beförderungseinheiten mit mehr als acht Tonnen begrenzter Menge vorne und hinten mit dem Kennzeichen für begrenzte Menge versehen sein. Container und Wechselbehälter (die auf Beförderungs-Einheiten verladen sind) müssen dagegen an allen vier Außenseiten das Kennzeichen tragen.

Nach IMDG-Code müssen dagegen alle Beförderungs-Einheiten mit begrenzten Mengen auf allen vier Seiten mit diesem Kennzeichen versehen sein, unabhängig vom Gewicht. Das bedeutet, dass ein Sattelanhänger mit 450 Kilogramm begrenzter Menge zwar ohne Kennzeichnung auf der Schiene von Basel nach Lübeck fahren kann – soll er dann aber mit dem Schiff weiter ins Baltikum, muss er im Hafen an allen vier  Seiten beklebt werden, da das Schiff nach dem IMDG-Code verkehrt.

Das weiße Sechseck in dem Kennzeichen muss weiß sein oder auf einem ausreichend kontrastierenden Hintergrund stehen. Was aber ist mit den schwarzen Dreiecken? Es gibt Speditionen, deren Planen schwarz sind. Da sieht man dann nur ein weißes Sechseck – ob man dann darauf kommt, dass es sich um einen Transport von begrenzten Mengen handelt? Hier wäre es von Vorteil, wenn in den Vorschriften aufgenommen würde, dass auch die oberen und unteren Bereiche des Kennzeichens schwarz sein oder auf einem ausreichend kontrastierenden Hintergrund stehen müssen.

Orangefarbene Tafeln

In Absatz 5.3.2.2.1 des ADR/RID steht folgende Bemerkung:

„Bem. Der Farbton der orangefarbenen Tafeln sollte im normalen Gebrauchszustand in dem Bereich des trichromatischen Normvalenzsystems liegen, der durch die mit Geraden verbundenen Punkte folgender Normfarbwertanteile beschrieben ist:

Trichromatische Farbwertpunkte im Winkelbereich des trichromatischen Normvalenzsystems

x 0,52 0,52 0,578 0,618
y 0,38 0,40 0,422 0,38

Leuchtdichtefaktor bei nicht rückstrahlender Farbe: β ≥ 0,22,
bei rückstrahlender Farbe (Muss im ADR ): β > 0,12.
Mittelpunktvalenz E, Normlichtart C, Messgeometrie 45°/0°
Rückstrahlwert der rückstrahlenden Farbe unter einem Anleuchtungswinkel von 5° und einem Beobachtungswinkel von 0,2°: mindestens 20 Candela pro Lux und pro m2.“

Immer wieder gibt es darüber Diskussionen mit den Verladern wie auch mit den Überwachungsbehörden. Weil es in der Bemerkung „sollte“ heißt, kann man aber durchaus flexibel vorgehen, denn die obige Beschreibung des Farbtons kann ein Normalsterblicher sowieso nicht verstehen.

Man hätte besser den Text aus dem Orange Book übernehmen sollen, in dem es einfach heißt: ‚an orange rectangular panel‘, auch wenn hier die Tafel gemeint ist, auf der nur die UN-Nummer steht (denn die Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr existiert im Orange Book nicht). Da sollte dann der gesunde Menschenverstand ausreichen, damit man eine passende Tafel anbringt.

Wo wir gerade bei den Tafeln und UN-Nummern sind: Während es im ADR/RID heißt, dass der Rand, die waagerechte Linie in der Mitte und die Ziffern schwarz mit einer Strichbreite von 15 mm (+/- 10 % Toleranz) sein müssen (5.3.2.2.3 ADR/RID), reicht es nach 5.3.2.1.2 IMDG-Code, die Ziffern mit einem schwarzen Kugelschreiber in die orangefarbene Tafel oder in ein weißes Feld zu schreiben: „Schwarzes Zeichen von mindestens 65 mm Höhe auf weißem Grund im Placard oder auf einer orangefarbenen Tafel mit mindesten 120 mm Höhe und 300 mm Breite und einem 10 mm breiten schwarzen Rand“. Über eine Strichstärke ist im IMDG-Code nichts zu finden, ebenso wenig im Orange Book.         

Ullrich Lück
Leiter Gefahrgut- & Abfalltransporte, Kombiverkehr, Hamburg

Tankcontainer Warntafel Klasse 8 1200

Warntafel selbst beschriftet: Nach ADR/RID muss die Strichstärke der Ziffern 15 mm betragen und schwarz sein, das Placard muss auf der Spitze stehen.

©Foto: Ullrich Lück
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