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Schwerpunkt des Monats Mai 2021

Pflichten

06.05.2021 Fachbeitrag

Fahrerausbildung: Sieben Stunden schneller

Die neue Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung gibt vor, dass die ADR-Schulungsbescheinigung mit sieben Unterrichtseinheiten angerechnet wird.
Fahrer Lkw Schulungsbescheinigung ADR-Schein 1200

Für Fahrer mit ADR-Schulungsbescheinigung verkürzen sich Weiterbildung oder Grundqualifikation um einen Schulungstag.

©Foto: Littlewolf1989/stock.adobe.com

Gefahrgutfahrer haben es künftig leichter bei der Berufskraftfahrerqualifikation. Denn ihre ADR-Schulungsbescheinigung wird jetzt mit sieben Unterrichtseinheiten angerechnet, entweder für die beschleunigte Grundqualifikation oder für die Weiterbildung. Dies ist eine der Auswirkungen der „Verordnung zur Ablösung der Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung (BKrFQV) und zur Änderung anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften“, die das Bundesverkehrsministerium im Bundesgesetzblatt Teil I Nummer 62 vom 16.12.2020 bekannt gemacht hat.

Wörtlich heißt es nun in den Paragrafen 2 „Erwerb der beschleunigten Grundqualifikation“ und 4 „Weiterbildung“ der BKrFQV: „Die nach Landesrecht zuständige Behörde rechnet andere abgeschlossene spezielle Ausbildungsmaßnahmen als Teil des Unterrichts an. Anzurechnen im Umfang von jeweils sieben Unterrichtseinheiten sind die (…) Ausbildung gemäß Anhang I der Richtlinie 2008/68/EG (…) über die Beförderung gefährlicher Güter im Binnenland (…) für Fahrzeugführer (…).“

Bisher müssen Gefahrgutfahrer alle fünf Jahre eine Berufskraftfahrer-Weiterbildung von insgesamt 35 Zeitstunden à 60 Minuten (5 Tage x 7 Stunden) sowie eine Gefahrgut-Auffrischungsschulung mit zwölf Ausbildungsstunden à 45 Minuten (9 Stunden = 1,5 Tage) plus IHK-Prüfung absolvieren. Während dieser Zeit – im Regelfall sieben Schulungstage – fehlen dem Unternehmen die Arbeitskraft des Fahrers und dem Fahrer die Erholungs- und Freizeit, sofern er nicht freigestellt wird.

Nach der neuen BKrFQV werden nun für die ADR-Schulungsbescheinigung sieben Unterrichtseinheiten à 60 Minuten auf die Weiterbildung angerechnet. „Dies sollte gleichermaßen erfreulich für Unternehmen wie Fahrer sein“, glaubt Rico Fischer, Produktmanager EU-BKF im Bereich Lehr- und Lernmedien bei Springer Fachmedien München. Wohl zu Recht, wie eine Anfrage beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik bestätigt. „Aus Sicht unserer Mitgliedsunternehmen wurde dies begrüßt, da durch die Anrechnung die Schulungszeit für Berufskraftfahrer verkürzt werden kann“, heißt es in der Antwort des Verbands.

Nicht älter als fünf Jahre

Um diese Regelung in Anspruch nehmen zu können, dürfen beide Schulungen nicht älter als fünf Jahre sein. Da die Gefahrgutschulung maximal zwölf Monate vor Ablauf der ADR-Schulungsbescheinigung beginnen kann, ist laut Fischer zukünftig mit einer Kombination beider Lehrgänge zum Ablauf der ADR-Berechtigung zu rechnen. „Dies kann auch die Übersicht und Planbarkeit der Schulungsmaßnahmen für die Unternehmen vereinfachen“, sagt der Fachmann. Die Inhalte der Schulungen seien trotzdem getrennt zu vermitteln, da bei der Weiterbildung auch in Zukunft die Kenntnisbereiche der Anlage 1 BKrFQV (siehe Kasten) vertieft und aufgefrischt werden müssten. Die Gefahrgutschulung gemäß ADR 1.3 diene wiederum letztendlich auch der Vorbereitung der abschließenden IHK-Prüfung.

Noch nicht geklärt ist für Fischer, ob die sieben Stunden einem bestimmten Bereich der Anlage 1 BKrFQV zugeordnet werden können. „Der Unterkenntnisbereich 3.7 könnte hier in Betracht kommen“, meint er. Alfred Winklhofer ist sogar sicher, dass nur diese Zuordnung zutrifft. „Im Themenbereich 3.7 ‚Kenntnis des wirtschaftlichen Umfelds des Güterkraftverkehrs und der Marktordnung‘ müssen ohnehin gefährliche Güter angesprochen werden“, begründet der Gefahrgutexperte der IHK Schwaben seine Meinung.

Bis zu einer Klarstellung empfiehlt Rico Fischer den Ausbildungsstätten, bei der Zusammenstellung der Weiterbildungsmodule darauf zu achten, dass innerhalb der verbliebenen vier Weiterbildungstage jeweils mindestens ein Unterkenntnisbereich aus den Kenntnisbereichen 1, 2 und 3 vermittelt wird (§ 4 (1) BKrFQV).

Fahrerhaus Daumen Person Lkw 1200

Die Anrechnung bringt einen Zeitvorteil für Unternehmen wie für Fahrer.

©Foto: Kzenon/stock.adobe.com

Selbst in der beschleunigten Grundqualifikation können die sieben Unterrichtseinheiten den geforderten 140 Stunden zugerechnet werden. Beachtet werden muss, dass alle grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten der Kenntnisbereiche nach Anlage 1 zu vermitteln sind. Denn es dürfen durch den Wegfall der sieben Stunden keine Wissenslücken entstehen. Auch hier ist die Anrechnung der Gefahrgutschulung (z. B. als Unterkenntnisbereich 3.7) noch nicht geklärt.

Dass sich die Anrechnung positiv auf die Zahl der Gefahrgutfahrer auswirkt, sei nicht zu erwarten, meint Alfred Winklhofer. „Deswegen macht keiner zusätzlich eine Gefahrgutausbildung“, ist er überzeugt. Anders als früher, als viele die Schulung „einfach mal mitgemacht“ hätten, für den Fall, dass man sie doch benötigte. Winklhofer: „Heute wird nicht mehr ‚auf Vorrat’ geschult, sondern nur noch nach Bedarf.“

Intelligente Lösung

„Ich bin der Meinung, dass die Anrechnung zumindest für den Güterverkehr eine intelligente Lösung ist“, erklärt auch Christian Rennie, Trainer und Berater für Transport und Verkehr in Nürnberg. Und er geht noch einen Schritt weiter: „Ich wünschte mir, dass wir das für den Personenverkehr mit den entsprechenden Themen genauso hinkriegen.“ Er hofft ebenfalls auf schnelle Klärung, welche Teilbereiche bei der Anrechnung der sieben Stunden wegfallen können. „Ich mache mir Sorgen, dass man einfach irgendeinen Kenntnisbereich weglässt, der dann dem Gefahrgutfahrer fehlt“, gibt der Fahrlehrer zu bedenken.

IHK-Experte Winklhofer widerspricht Rennies Befürchtungen: „In der Verordnung steht, bei der Weiterbildung muss aus jedem Kenntnisbereich mindestens ein Unterkenntnisbereich abgedeckt sein.“ Und weiter: „Es ist also nicht vorgeschrieben, jeden Unterkenntnisbereich zu bearbeiten.“ Der Ausbilder müsse selbst entscheiden, wie er die Schulungssegmente sinnvoll und vorschriftsgemäß zusammenstelle.

Die Anrechnung von sieben Unterrichtseinheiten gilt im Übrigen nicht nur für die ADR-Schulungsbescheinigung, sondern auch für die Schulung über den Schutz von Tieren beim Transport. Sollte ein Fahrer demnach beide Ausbildungen haben, seien ihm nach Ansicht von Al­fred Winklhofer tatsächlich zwei Mal sieben Unterrichtseinheiten anzurechnen. „Die Verordnung ist eine ‚Und‘- und keine ‚Oder‘-Regel“, erklärt er. Allerdings sei diese Kombination rein theoretisch, so Winklhofer: „Einen solchen Fall gibt’s wahrscheinlich in ganz Deutschland nicht.“

Rudolf Gebhardt


Unterricht für Berufskraftfahrer

In der Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung (BKrFQV) ist unter anderem die Dauer des Unterrichts für Prüfungsteilnehmer festgehalten. Sie beträgt beim Erwerb der beschleunigten Grundqualifikation 140 Unterrichtseinheiten zu je 60 Minuten, bei der Weiterbildung reichen 35 Unterrichtseinheiten aus. Während des Unterrichts sind die erforderlichen grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten aus den in Anlage 1 BKrFQV aufgeführten Kenntnisbereichen zu vermitteln beziehungsweise zu vertiefen und aufzufrischen (siehe auch www.eu-bkf.de, Menüpunkt „Das BKrFQG“):

  • Verbesserung des rationellen Fahrverhaltens auf der Grundlage der Sicherheitsregeln
  • Anwendung der Vorschriften
  • Gesundheit, Verkehrs- und Umweltsicherheit, Dienstleistung, Logistik

Zu diesen drei Kenntnisbereichen gibt die Verordnung Ziele in diversen Unterkenntnisbereichen vor, die abhängig sind von den Fahrerlaubnisklassen, die die Prüflinge anstreben beziehungsweise besitzen.      gh

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